2020 war ein fürchterliches Jahr. Doch vielleicht wird 2021 noch schlimmer. Es wird ja gewählt und eventuell kommen noch größere Dilettanten in wichtige Ämter als wir sie jetzt schon haben. Wer weiß? Am schlimmsten sind die, die in diesem Ausnahmezustand mit beschränkten Grundrechten vor allem spannende Zeiten und die Chancen für Veränderungen sehen wollen. In diesem Sinne hätte ich 2021 lieber ein langweiliges Jahr.
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… aus dem Wählen gar nicht raus. Im Mittelpunkt wird der Klimaschutz stehen, auf Landes- wie auf Bundesebene. Das Kanzleramt gewinnt am Schluss, wer einen evolutionären statt revolutionären Klimaschutz am überzeugendsten vertritt.
Das Wahljahr 2021 stellt Deutschlands Weichen für die nächsten Jahrzehnte. Es geht um eine Richtungsentscheidung zur Staatsräson und Wirtschaftsordnung. Wird die Bekämpfung des Klimawandels die Kernaufgabe des Staates, der sich alles unterzuordnen hat? Und setzt die Politik dabei primär auf marktwirtschaftliche freie Eigeninitiative oder auf staatliche Eingriffe in die Wirtschaft und Alltagswelt?
Der Klimaschutz ist bei jüngeren Wählern trotz Corona das wichtigste Thema. Die Fragestellung ist dieselbe wie bei der Pandemie, aber deren Bekämpfung war eher ein Probelauf. Im voraussichtlichen Unterschied zur Seuche geht es beim Klimaschutz nicht um zeitweilige Beschränkungen, sondern um die dauerhafte Ausrichtung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Soll sie evolutionär oder revolutionär erfolgen? Darüber entscheiden die Wähler.
Der beginnende Lagerwahlkampf, angefeuert durch Fridays for Future, die „Querdenker“ und Kassandrarufe in den Medien, wird 2021 in neun Wahlgängen ausgefochten. Am 14. März sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie Kommunalwahlen in Hessen. Am 25. April wählt Thüringen einen neuen Landtag, am 6. Juni Sachsen-Anhalt. Am 12. September folgen Kommunalwahlen in Niedersachsen, und mit dem Bundestag werden am 26. September auch der Landtag von Schwerin sowie das Abgeordnetenhaus von Berlin neu gewählt.
Die Umfragen für die Bundestagswahl lassen Schwarz-Grün oder eine neue Groko als Ergebnis erwarten. Eine Koalition aus SPD, Grünen und Linkspartei ist aber ebenfalls nur wenige Prozentpunkte von einer Mehrheit entfernt. Die Grünen sind der Dreh- und Angelpunkt.
An den Rändern sind die Ansichten klar. Radikale Skeptiker betrachten die Corona-Maßnahmen als Vorboten einer Klimadiktatur. Für strikt Überzeugte ist der Corona-Stillstand der probeweise Einstieg in eine Verzichtswirtschaft, die mit staatlicher Lenkung die einzige Überlebenschance der Menschheit ist.
Dazwischen, in der Mitte, fallen die Würfel. Die Richtungsentscheidung hat eine ähnliche Dimension wie vor 70 Jahren das Votum der Wählerschaft zur Westbindung der Bundesrepublik und zur sozialen Marktwirtschaft. Die CDU/CSU war dafür, die SPD dagegen. Nach anfänglichen Rückschlägen bei den Landtagswahlen 1950 setzte die Union sich durch. 1957 zog die SPD mit dem Godesberger Programm die Konsequenz. Sie bekannte sich zu Marktwirtschaft und Westbindung.
Vor einer ähnlichen Entscheidung stehen mit Blick auf die Wirtschaftsordnung die Grünen. Ökologische Evolution oder ökologische Revolution, die Wirtschaft anpassen oder sie abwürgen – das sind die Alternativen. Die Union hat sich unter Merkel entschieden dem Klimaschutz verschrieben, will aber die Marktwirtschaft stärken, um den ökologischen Wandel finanzierbar zu halten.
Die Grünen und die SPD liebäugeln zu Teilen mit ökologischer Staatsautorität und ökosozialistischen Idealen. Ihr linker Flügel sieht die Überwindung des Kapitalismus greifbar nahe, mit dem Klimaschutz als wissenschaftlich-moralischem Motor.
In Baden-Württemberg bekommen die Grünen am 14. März mit der radikalökologischen „Klimaliste“ erstmals Konkurrenz im eigenen Lager. Schwenken sie nach links, hat das Folgen für die Wirtschaft. Die Union will das verhindern. Sie setzt erkennbar auf den pragmatischen Flügel der Grünen.
CDU und CSU werden zwar genau verfolgen, ob die AfD bei der hessischen Kommunalwahl in Rüsselsheim wiederum auf Kosten von CDU und SPD gut abschneidet. Wichtig wird auch, ob die CDU unter neuer Führung sich in Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder zwischen einer Tolerierung durch die AfD oder Unterstützung für die Linkspartei entscheiden muss.
Das Hauptaugenmerk aber liegt auf den Grünen. Wandern grüne Jungwähler zur „Klimaliste“ ab? Falls nein, könnten die Grünen in Stuttgart auch eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP statt eine neue grün-schwarze Koalition bilden.
Im Herbst wollen die Menschen ihr Leben zurück
Setzen sie dann in Rheinland-Pfalz die Ampel mit knapper Mehrheit fort, sofern die Liberalen es in den Mainzer Landtag schaffen? Oder bilden sie dort eine schwarz-grüne Landesregierung, um zu zeigen: Schwarz-Grün ist kein Auslaufmodell?
Gründe dafür gäbe es. Sollte die Pandemie im Herbst bewältigt sein, wollen die Menschen ihr Leben zurückhaben. Jens Spahn spielt dabei eine Schlüsselrolle. Der Sieg über Corona macht zunächst immun gegen jeden Ökostillstand. Das Kanzleramt gewinnt, wer einen evolutionären statt revolutionären Klimaschutz am überzeugendsten vertritt – wie schon vor 70 Jahren bei der sozialen Marktwirtschaft.
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… über seine Anschlussverwendung Gedanken, irgendwann wird das Corona-Thema politisch ein lahmer Gaul sein und nicht mehr für große Sprünge taugen. Laut Wikipedia war das Markenzeichen Lauterbachs lange Zeit die Fliege, die er des Öfteren anstelle einer Krawatte trug. Und insofern ist es nachvollziehbar, dass er ein weiteres mal die Fliege machen möchte.
Und da kommt ihm selbstverständlich das Nächstliegende in den Sinn: Die „Klimakrise“, was auch immer man im Näheren darunter zu verstehen hat. Hauptsache Krise. Wobei die Corona-Krise einen kleinen Nachteil hat: Wenn die Endabrechung kommt, weilen die Verantwortlichen höchstwahrscheinlich noch unter den Lebenden, womöglich sogar in Ihren Ämtern, deshalb sind sie ja so nervös. Sie müssen damit rechnen, mit dem Erfolg oder Misserfolg, Risiken und Nebenwirkungen ihrer Massnahmen konfrontiert und je nach Ausgang sogar zur Verantwortung gezogen zu werden.
Das verhält sich beim Klima praktischerweise anders: Es handelt sich ja bislang um eine hypothetische Katastrophe, die unser Menschengeschlecht irgendwann in ferner Zukunft heimsuchen soll. Die Erfolgs- respektive Misserfolgskontrolle erfolgt also erst, wenn die Protagonisten betriebssicher tot sind. Politisch ist die Klimakrise somit ein Perpetuum mobile.
Greta & Friends sind auch schon darauf gekommen, da muss Karl der Alarmierte auf den Zug aufspringen, bevor die erste Klasse besetzt ist. Im Interview mit „Die Welt“ vom 27. Dezember lässt er schon mal wissen: „[…] Somit benötigen wir Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, die analog zu den Einschränkungen der persönlichen Freiheit in der Pandemie-Bekämpfung sind.“
In der Pandemie-Bekämpfung gibt es ja noch viel zu viele Freiräume, deren Beseitigung man virologisch eher schlecht begründen kann. Nehmen wir nur das Autofahren, das eine deutlich gesündere Art der Fortbewegung verspricht als Busse und Bahnen. In der Klimakrise wird deshalb die zweite Stufe des Ausgehverbotes verhängt, das Ausfahrverbot.
Ich könnte mir das als zentralen Punkt eines „Lauterbach-Planes“ vorstellen, genannt nach dem Mann aus der Corona-Hall of Fame und wie geschaffen für den ewigen Lockdown. Alles unter 1.000 Jahren wäre eine Enttäuschung. Die Vorarbeiten sind ja längst gemacht, die Ideen für einen Aktionsplan, der diesem großen Namen gerecht wird, muss man nur vom der Staude pflücken wie eine reife Banane. Ich meine jetzt nicht den Morgenthau-Plan, der wies zwar in die richtige Richtung, verstand es aber irgendwie nicht, die Menschen „mitzunehmen“. Laut Wikipedia zeichnet Karl Lauterbach für 294 Publikationen und zehn Bücher verantwortlich, er ist somit prädestiniert seinem Schaffen einen weiteren Höhepunkt hinzuzufügen.
Als Erfolgsformel empfehle ich daher eine Wortschöpfung, die ja bereits Karriere gemacht hat: der ökologische Fußabdruck. Der ist umso größer, je mehr Ressourcen ein Land pro Kopf seiner Bewohner verbraucht. Wenn man beispielsweise den Energiekonsum betrachtet, haben die Amerikaner die größten Füße, Europäer und Japaner liegen im Mittelfeld. Die kleinsten Füße haben die Bewohner der Entwicklungsländer.
Doch das soll sich schon lange ändern: Künftig, so wird von Ökos aller Länder und Generationen gefordert, sollen alle Menschen auf der Welt gleich große Füße haben. Das nennt sich „Klimagerechtigkeit“, und schließt sich nahtlos an den 20. Parteitage der KPDSU aus dem Jahre 1956unter Nikita Chruschtschow an („Wiederherstellung der Gerechtigkeit“).
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… zitiere ich heute das Interview der WELT mit Wolfgang Reitzle. Es ist ein Meilenstein in Sachen Analyse Deutschlands Politik und Wirtschaft:
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WELT: Herr Professor Reitzle, wäre Deutschland ein Konzern, würden Sie sagen, er wird gut gemanagt?
Wolfgang Reitzle:Nicht wirklich, wir sind in Deutschland momentan auf wichtigen Gebieten verkehrt unterwegs. Als Ingenieur bin ich es gewohnt, auf Basis von Fakten sachlich auf die Dinge zu blicken, Alternativen gegeneinander abzuwägen und erst dann zu entscheiden. Mich macht es sprachlos, wenn ich sehe, wie im Unterschied dazu lässig und Fakten ignorierend die Politik in Deutschland bei Themen wie der Energiewende Grundsatzentscheidungen trifft. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen werden nicht betrachtet.
WELT: Vor allem im Mittelstand wird die Kritik an der GroKo immer lauter. Zu Recht?
Reitzle: In Deutschland ist man dabei, zu vergessen, woher der Wohlstand kommt und wer ihn erarbeitet. Das ist nun einmal vor allem der Mittelstand. Doch diese Zigtausende von Privatunternehmen werden übermäßig besteuert, mit immer mehr Bürokratie belastet und von der Erbschaftsteuer bedroht. Ihre Leistung für die Gesellschaft genießt nicht mehr die Wertschätzung, die sie verdient. Besonders die Hidden Champions, die Weltmarktführer unter den Mittelständlern, sind es doch, die Deutschland stark machen. Natürlich haben unsere Weltkonzerne auch ihren Anteil. Aber den aktiven Kern bildet unser einzigartiger Mittelstand, er trägt das System der sozialen Marktwirtschaft.
WELT: Setzt die Regierung die Prioritäten falsch?
Reitzle: Wir haben bereits den am besten funktionierenden Sozialstaat der Welt. Müssen wir dann ständig nach neuen Gerechtigkeitslücken suchen und die Umverteilung weiter und weiter ausbauen? Die Folge ist, dass die Leistungsträger aus der Mitte der Gesellschaft, also der Polizist, die Krankenschwester bis hin zum Start-up-Unternehmer und eben auch der Mittelständler, sich zunehmend fragen, weshalb gerade sie mit so hohen Steuern und Abgaben belastet werden. Dabei ist es diese Mitte, die den Sozialstaat überhaupt erst in die Lage versetzt, die Schwachen zu unterstützen.
WELT: Ist „made in Germany“ im Ausland noch ein Gütezeichen?
Reitzle: Der Ruf der deutschen Wertarbeit und Ingenieurskunst ist dabei, spürbar zu leiden. Im Ausland wundert man sich zunehmend über uns. Wir sind unfähig, einen Flughafen für unsere Hauptstadt zu bauen. Die Bundeswehr ist seit Abschaffung der Wehrpflicht eine nur bedingt einsatzbereite Truppe geworden, die zwar jährlich rund 43 Milliarden Euro kostet, bei der aber die Panzer nicht fahren, die Gewehre nicht schießen und die Flugzeuge nicht fliegen. Und die Flugbereitschaft der Bundesregierung blamiert uns vor den Augen der ganzen Welt, weil sie es nicht schafft, unsere Politiker rechtzeitig zu internationalen Konferenzen zu bringen und von dort wieder nach Hause. Damit entzaubern wir uns, und der gute Ruf von „made in Germany“ wird zunehmend beschädigt, davon macht sich hierzulande kaum einer eine Vorstellung. Der Nimbus der deutschen Perfektion leidet.
WELT: Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Reitzle: Das Land hat keinen Anspruch mehr an sich selbst. Das fängt im Bildungssystem an. Natürlich ist es richtig, die Schwachen in der Schule zu fördern, aber Leistungsorientierung und Begabtenförderung sollten auch ihren Stellenwert haben. In einigen Bundesländern wird aus falsch verstandener Gerechtigkeit heraus die Einheitsschule präferiert und die Bildung auf niedrigerem Niveau nivelliert. Wenn dann noch Inklusion dazukommt, sind die meisten Lehrkräfte überfordert. Dabei ist die Bildung zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund dafür, dass wir uns im Mittelmaß einpendeln. Deutschland wendet sich zunehmend von einem Leistungsanspruch ab, hat aber gleichzeitig extrem hohe Ansprüche an seinen Wohlstand, das kann so nicht funktionieren.
WELT: Wo läuft es noch schief?
Reitzle: Leider ganz eindeutig bei der Energiewende. Hier wurde unter dem Eindruck eines durch einen Tsunami bewirkten Reaktorschadens in dem 9000 km entfernten Kernkraftwerk Fukushima mal kurz eine epochale Entscheidung getroffen – und zwar ohne jede sachlich saubere Analyse und Abwägung des Gesamtzusammenhangs. In Deutschland waren damals die Geigerzähler ausverkauft, während in der nahe Fukushima liegenden Hauptstadt Tokio kein Anstieg der Radioaktivität gemessen werden konnte. Die Politik hat auf diese hysterische „German Angst“ mit dem überstürzten Atomausstieg überreagiert.
Heute importieren wir tageweise Strom von unseren Nachbarn, und um uns herum stehen Atomkraftwerke mit geringerer Sicherheit als die der abgeschalteten deutschen. Für die Sicherheitslage der Bevölkerung hat der nationale Alleingang praktisch nichts gebracht. Diese Entscheidung hat uns in eine sündteure Sackgasse geführt. 1000 Milliarden Euro werden für die Energiewende aufgewendet, und wir haben dabei die CO2-Bilanz des deutschen Stroms verschlechtert und die Versorgungssicherheit ins Risiko gestellt. Vor allem aber haben wir heute den teuersten Strompreis Europas und den zweitteuersten weltweit. Kein Wunder, dass energieintensive Unternehmen Milliardeninvestitionen nicht mehr in Deutschland, sondern im Ausland tätigen.
WELT: Trotz ungelöster Probleme mit der Energiewende setzt die Bundesregierung jetzt voll auf E-Mobilität.
Reitzle: Genau das ist eigentlich paradox. Denn die Energiewende nimmt der Elektromobilität nahezu komplett ihren Vorteil. Der ungünstige deutsche Strommix mit viel Kohle und Gas führt dazu, dass die CO2-Bilanz eines E-Autos im Fahrbetrieb praktisch keinen wesentlichen Vorteil mehr hat gegenüber einem modernen Dieselfahrzeug. Und dabei ist noch nicht einmal der CO2-Ausstoß bei der Batterieherstellung berücksichtigt. Zudem werden die meisten E-Autos in der Nacht geladen, wenn der Solarstrom nicht zur Verfügung steht. Elektromobilität ist unter Umweltgesichtspunkten nur sinnvoll, wenn man, wie in der Schweiz, Strom laden kann, der aus Wasser- und Atomkraft CO2-frei hergestellt wird.
WELT: Ist denn das E-Auto heute überhaupt schon massentauglich?
Reitzle: Die heute eingesetzte Flüssigbatterie hat mehrere Nachteile, die für eine spätere Massenmotorisierung ungünstig sind. Kobaltabbau, Leistungsgewicht, Herstellungskosten, Lebensdauer, Recycling sind nur einige Aspekte, die noch für längere Zeit einer vollständigen Substitution des Verbrennungsmotors im Wege stehen. Erst die nächste Generation von Batteriezellen-Technologie, die sogenannte Solid State Batterie, hat die Chance, einige dieser Probleme zu lösen, wird aber frühestens in 15 bis 20 Jahren verfügbar sein. Vor allem ist dies dann auch eine Batterie, die anders als heute nicht brennen kann.
WELT: Wie viel politischer Druck steckt hinter dem massiven Ausbau der E-Mobilität?
Reitzle: Neben der Bedeutung des Elektroautos für den chinesischen Markt ist das Problem für die Automobil-Produzenten, dass die EU-Gesetzgebung den erlaubten CO2-Ausstoß der Fahrzeugflotten bis 2030 derart stark reduziert, dass diese niedrigen Zielwerte nur mit einem hohen Anteil von E-Fahrzeugen erreicht werden können. Denn dem E-Auto wird vom Gesetzgeber ein CO2-Wert von null zugeschrieben, auch wenn das wie etwa beim deutschen Strommix gar nicht der Realität entspricht. Das E-Auto wird also unter Ausblendung der Fakten als CO2-frei betrachtet und somit zwangsweise in großen Stückzahlen in den Markt gedrückt, auch wenn es noch nicht wirklich massentauglich ist und im unteren Fahrzeugsegment spürbar teurer sein wird als heutige konventionelle Fahrzeuge.
WELT: Sie finden es riskant, jetzt alles auf den Elektromotor zu setzen?
Reitzle: Im Grunde ja, aber große Hersteller haben bei dieser Gesetzeslage keine Alternative und müssen einen hohen Anteil von E-Autos auf den Markt bringen, um ihren Flottenschnitt zu erreichen und um weiter attraktive, große und ertragsstarke Fahrzeuge anbieten zu können. Grundsätzlich bin ich für Technologieoffenheit, zumal die Batterietechnik auch langfristig für schwere Autos und vor allem für Lkw bei gleichzeitig hoher Reichweite nur begrenzt oder gar nicht tauglich sein wird. Wir brauchen als Ergänzung auch die Brennstoffzelle und sollten hier, wie Japan es vormacht, deutlich mehr Forschungsarbeit leisten. Und weil es ja voraussichtlich noch 20 Jahre dauern wird, bis eine massentaugliche, sichere und kostengünstige Batterietechnologie zur Verfügung stehen wird, brauchen wir noch lange den Verbrennungsmotor und vor allem den Diesel. Der Diesel ist aufgrund seines CO2-Vorteils eigentlich die bestmögliche Brückentechnologie bis zur flächendeckenden Verfügbarkeit der E-Mobilität. Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass Deutschland seine führende Marktposition in der Automobilindustrie selbst kaputtschießt. Die Autobranche, von der im weiteren Sinne direkt und indirekt rund drei Millionen Arbeitsplätze abhängen, ist doch die mit Abstand wichtigste Säule unseres Wohlstands.
WELT: Ist die Energiewende für Sie Merkels größte Fehlentscheidung gewesen?
Reitzle: Auch in der Migrationspolitik gab es bekanntlich eine fundamentale Fehlentscheidung. Die Kanzlerin hat 2015 erklärt, dass man eine nationale Grenze nicht mehr schützen könne. Der damit einhergehende unkontrollierte Zuzug von Flüchtlingen hat Konsequenzen, die auf lange Sicht noch wesentlich gravierender sein werden als die der Energiewende, denn die Folgen dieser Migration sind nicht mehr korrigierbar. Aus demografischen Gründen brauchen wir Zuwanderung. Doch die sollte über ein Einwanderungsgesetz nach festen Kriterien gesteuert erfolgen. Ein Staat muss doch selbst festlegen, wen er ins Land lässt und wen nicht, ansonsten gibt er seine Souveränität auf.
WELT: Deutschland ist ein wirtschaftlich erfolgreiches Land, trotzdem ist die Marktwirtschaft wenig populär. Jetzt werden sogar Forderungen nach Enteignungen salonfähig. Woher kommt das?
Reitzle: Seit Jahren schon dreht sich in Deutschland fast jede politische Debatte um soziale Gerechtigkeit. Dabei handelt es sich jedoch nicht, wie man das erwarten würde, um Leistungs- oder Chancengerechtigkeit. Nein, der Mainstream der Gesellschaft versteht unter sozialer Gerechtigkeit bevorzugt Gleichheit. In einer zur Nivellierung tendierenden Gesellschaft aber fehlt der aus der Unterschiedlichkeit resultierende Anreiz, sich anzustrengen und viel zu erreichen. Mittelmaß ist dann die Folge. Ein Land ohne Rohstoffe braucht Kreativität, Motivation und Leistungsbereitschaft. Wer etwas Herausragendes für das Land oder ein Unternehmen erreicht, sollte auch entsprechend entlohnt werden dürfen. Doch die Besserverdienenden stehen bei uns inzwischen fast schon unter Generalverdacht. Ein Land, in dem die Erfolgreichen angefeindet werden, wird auf Dauer nicht erfolgreich bleiben. Wenn man Umverteilung als oberstes Ziel etabliert, dann koppelt man sich vom Prozess der Wohlstandsschaffung ab. Und mit dieser Einstellung werden wir im Wettbewerb mit China, Korea oder den USA kaum bestehen können.
WELT: Eine deprimierende Bestandsaufnahme. Haben Sie Ideen, wie man den Standort Deutschland wieder nach vorne bringen könnte?
Reitzle: Durchaus. Der wichtigste Punkt für mich ist die schnelle Korrektur unseres Bildungssystems: weg von Nivellierung und hin zu Leistung, spielerischem Wettbewerb und Kreativität. Idealerweise ist eine gezielte, individuelle Förderung bis hin zur Begabtenförderung nötig – wir brauchen Spitzenleistungen. Mein zweiter Punkt betrifft eine große Steuerreform. Vor allem die kalte Progression ist problematisch. Es kann nicht sein, dass der Staat den größten Teil einer Gehaltserhöhung für sich beansprucht. Außerdem müssen die Unternehmenssteuern gesenkt werden, weil wir ansonsten international nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Und der Soli muss komplett weg, wenn der Staat glaubwürdig bleiben will. Drittens ist die Energiewende faktenbasiert und unideologisch neu auszurichten.
WELT: Konkret?
Reitzle: Auch wenn ich damit auf Unverständnis stoße: Die Kernenergie sollte weiter Bestandteil unserer Energiepolitik bleiben, weil nur sie grundlastfähig, billig und CO2-frei ist. Mein vierter Punkt zielt auf eine technologieoffene Mobilitätspolitik, die nicht allein das batteriebetriebene E-Auto im Blick hat. Mein letzter Punkt ist eine völlig neue Idee zur Bundeswehr, die Deutschland als Technologiestandort enorm nach vorne bringen könnte.
WELT: Die Bundeswehr und Technologiefortschritt – wie soll das gehen?
Reitzle: Lassen Sie uns hier mal ganz offen denken: Was wäre, wenn die Wehrpflicht wieder eingeführt werden würde, für Männer und Frauen, dann könnte jeder dem Staat auch etwas zurückgeben und nicht nur immer etwas verlangen. In der Landesverteidigung wird es in Zukunft ganz stark um Cyberattacken, Drohnenangriffe, Raketen- und Flugabwehr gehen. Die Bundeswehr sollte deshalb den jungen Menschen nach einer kompakten Grundausbildung eine anspruchsvolle Ausbildung in modernster Technologie, IT, Big Data und KI bieten. Die israelische Armee macht uns vor, wie eine solche völlig neu definierte Bundeswehr als hocheffiziente Innovationsplattform für unser Land genutzt werden könnte. Das dortige Militär ist zu einer Kaderschmiede für Start-up-Gründer, IT- und KI Spezialisten geworden, die auf vielen Feldern Weltspitze sind. Einen vergleichbaren Innovationsschub durch eine transformierte Bundeswehr könnte Deutschland gut gebrauchen.
Die Gedanken, die Prof. Reitzle in diesem Interview ausführt, sind m. E. für das Weiterbestehen Deutschlands als Handlungsmaxime überlebensnotwendig. Leider steht zu befürchten, dass die verantwortlichen Politiker – wie bereits 2 X im vergangenen Jahrhundert – Deutschland an den Rand des Untergangs bringen.
Die Idee: Ein neues Deutschland bauen, welches irgendwelchen – ich kann es gar nicht benennen, so schwachsinnig kommt es mir vor – tollen Ideen von einer gerechten und gleichen Gesellschaft entspricht, ein Land , in dem Milch und Honig fließen, ohne dass Menschen „schaffe“ müssen. Anders kann ich mir die vollkommen verfehlte Politik auf breiter Front – AfD ausgenommen – nicht erklären.
Quelle des Kommentars von Stephan Detjen: Dlf 5.1.2021
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Hygiene-Diktatorin Merkel verkündet:
Deutschland wurde innert eines Jahres in eine Hygiene-, Verbots-, Maulkorb- und Maskendiktatur der Angsthasen verwandelt. Haupttreiber dieser Entwicklung war und ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ist damit meiner Meinung nach eine Hygienediktatorin. Deutschland wird mit Verordnungen regiert. Das Infektionschutzermächtigungsgesetz macht es möglich. Das Parlament, der deutsche Bundestag ist praktisch ausgeschaltet. In der öffentlichen „Debatte“ kommt die AfD, die größte Oppositionspartei, praktisch nicht mehr vor. Heute braucht niemand verhaftet zu werden. Heute wird man nicht mehr erwähnt. In den Mainstream-Medien. Das reicht, um die diktatorischen Maßnahmen praktisch ohne relevanten Widerspruch durchzusetzen.
Christian Szabo, der gegen die Einführung einer Massenimpfung in Deutschland Verfassungsbeschwerde eingelegt hat, ermahnt am 11.12.2020 Ärzte in Deutschland über ein Schreiben an die Bundesärztekammer und weist die Mediziner darauf hin, dass sie sich unter Umständen strafbar machen, wenn sie einen der neuen Impfstoffe verabreichen.
Zitat Anfang Christian Szabo:
Ermahnung an alle Ärzt*innen und Ärzte
Auch wenn Sie als Ärzt*innen und Ärzte gemäß Infektionsschutzgesetz (§ 20 Abs. 4, 6 IfSG i.V.m. § 21 IfSG) und Arzneimittelgesetz (§ 79 Abs. 5 AMG) über Notfallzulassung nicht-getesteter und nicht-evidenzbasierter mRNA-Corona-Impfstoffe zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Virus Sars-Cov-2/Covid-19 genötigt werden, ohne dabei die Menschen über Risiken, Nebenwirkungen und mögliche Folgeschäden (§ 630e BGB) aufzuklären, machen Sie sich als durchführende Ärzt*innen und Ärzte an der aktiven Beteiligung eines Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verbrechen gegen den Nürnberger Kodex und Körperverletzung vorsätzlich strafbar und sind über ihre Berufshaftpflichtversicherungen nicht geschützt.
Daher ermahne ich Sie hiermit ausdrücklich, auch zu ihrem Selbstschutz, unterlassen Sie jegliche Corona-Schutzimpfungen wenn Sie über Risiken, Nebenwirkungen und mögliche Folgeschäden nicht-getesteter und nicht-evidenzbasierter mRNA-Corona-Impfstoffe gemäß § 630e BGB nicht aufklären können und wegen rechtsunwirksamen Einwilligungen laut BGHRechtsprechung (BGH NJW 2005, 1716 ff.) persönlich haftbar gemacht werden können.
Zitat Ende
Hintergrund ist die ärztliche Aufklärungspflicht ihrer Patienten bei Verabreichung eines Medikamentes oder Impfstoffes. Und hier ergeben sich gleich mehrere Probleme für impfende Ärzte. Wenn sie in Impfzentren tätig sind und ihnen fremde Patienten impfen, kennen sie deren Krankengeschichte nicht, wissen nichts über Vorerkrankungen, Immunstatus, Allergien oder andere Faktoren mehr, welche eine Impfung zur Gefahr machen könnten.
Ärzte können nicht aufklären – es gibt keine Informationen
Schlimmer noch können die Mediziner ihre Patienten derzeit überhaupt nicht über mögliche Risiken der Impfungen aufklären. Grund ist die Tatsache, dass weder die Hersteller noch die Zulassungsbehörden ein Wirkprofil oder gar ein Nebenwirkungsprofil der Impfstoffe kennen. Wie sollte da ein Arzt in der Lage sein, ein Aufklärungsgespräch zu führen? Gar nicht! Es fehlen alle Informationen, welche für eine Patientenaufklärung erforderlich wären. Verabreichen Mediziner dennoch – also wider besseres Unwissen – die Impfstoffe, sind sie am Ende selber möglicherweise haftbar für Schäden und unter Umständen sogar Mittäter an einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als welches der klageführende Christian Szabo die Massenimpfung mit potenziell tödlichen Impfstoffen einstuft und durch das Bundesverfassungsgericht zu stoppen versucht.
Aufklärung unerwünscht: Spahn bittet auch Apotheker um Kritikverzicht
Dass die Bundesregierung und dies insbesondere in der Person von Gesundheitsminister Jens Spahn an einer Patientenaufklärung nicht interessiert ist, belegte auch das Gespräch bei der ABDA – der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Hier forderte sowohl Spahn als auch der ABDA-Chef Friedemann Schmidt schlussendlich von den Apothekern die kritiklose Empfehlung der neuen Impfstoffe und die Aufgabe eigener fachlicher Positionen, die sie als gut ausgebildete Naturwissenschaftler haben. Die Forderung, auf eine kritische und sachkundige Patientenberatung zu verzichten, ist quasi die Aufforderung zur Unterlassung der für Apotheker erforderlichen Sorgfalt in der Patientenberatung. Dass ABDA-Präsident Friedemann seinen sachkundigen Apothekern ebenfalls das beratende Wort verbieten will, erstaunt jeden, der an Patientengesundheit und Medikamentensicherheit interessiert ist.
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… dann wohl Peter Thiel: Sein Meisterstück an den Finanzmärkten war der Einstieg bei Facebook – aus 500.000 Dollar Einsatz wurde rund eine Milliarde Dollar Gewinn. Der 53-jährige macht auch auf dem Feld der Politik Schlagzeilen, seit bekannt wurde, dass er den US-Präsidenten Donald Trump unterstützt. Im Interview spricht er über die drei großen Visionen für die westliche Gesellschaft, die Gefahren, die von China ausgehen und seine weitere persönlichen Ziele.
WELT: Herr Thiel, die USA sind in Aufruhr. Auf den Straßen brodelt es. Gegen die amerikanische Geschichte ist eine Art Kreuzzug im Gang. Journalisten und Professoren verlieren ihre Jobs, sobald sie etwas Falsches sagen. Hat diese Hysterie etwas mit der Pandemie zu tun? Was geht hier vor sich?
Peter Thiel: Lassen Sie mich zuerst etwas darüber sagen, was das Covid-Phänomen bedeutet. Dann können wir über den verrückten sozialen Tumult sprechen. Viele Leute denken heute: „Wann kehren wir zur Normalität zurück? Was ist der Weg zurück zur Normalität?“ Ich sehe das als psychologischen Indikator dafür, dass die Leute tief drin wissen: Es gibt keinen Weg zurück zur alten Normalität, weil die Normalität, die wir hatten, in vielerlei Hinsicht gar nicht zukunftsfähig war.
WELT: Das Virus bringt eine Zäsur?
Thiel: Davon bin ich überzeugt. Man kann das Jahr 2020 als das erste Jahr des 21. Jahrhunderts deuten. An seinem Ende hatte das 20. Jahrhundert zusehends zombieartige Züge. Ende 2019 dachte ich: „Was geht hier eigentlich ab? Was können wir über dieses abgelaufene Jahrzehnt überhaupt sagen?“ Gut, es war das Jahrzehnt der iPhones. Wir hatten „Game of Thrones“, die Legalisierung von Marihuana. Aber es gab kein definierendes Ereignis, nichts Ikonisches. Selbst die Autos sahen 2019 ziemlich genauso aus wie 1999. Das letzte Jahrzehnt war das Jahrzehnt, in dem nichts passierte. Dieser Zombie-Zustand konnte nicht andauern. Ich sehe Covid-19 als Waldbrand, aber es ist ein Waldbrand in einem Wald, der bereits sehr krank war.
WELT: Waren die USA so krank? Vor Corona brummte die Wirtschaft wie nie.
Thiel: Das Jahr 2020 brachte einen Quantensprung der Lächerlichkeit in vielen Bereichen. An den Universitäten zahlt man mittlerweile 50.000 Dollar Semestergebühr für Zoom-Meetings mit den Professoren. Eine der größten Lügen war, dass man den Jungen erzählte, die großen Städte seien die Zukunft. Dabei funktionieren die Großstädte am schlechtesten. Die Immobilien sind überteuert, der Wettbewerb ist so extrem, dass er kontraproduktiv ist.
Die essenzielle Hässlichkeit der Megacitys kommt in der Krise ans Licht. Vorher war alles durch einen sterilen Aktivismus verdeckt. Man spürt jetzt die Überhitzung. Covid-19 bringt eine Verschiebung. Zuvor gab es das Gefühl, die Zukunft werde irgendwie zurückgehalten. Veränderungen, die längst hätten stattfinden müssen, kamen nicht, weil man sich dagegen sträubte. Jetzt wird die Zukunft freigesetzt. Es gibt zwar die Befürchtung, die Veränderung sei bedrohlich und zerstörerisch, aber sie ist meines Erachtens immer noch gesünder als die Fortsetzung dieses Zombie-Zustands, dieses institutionellen Komas.
Thiel: Es ist immer schwer, etwas zu analysieren, wenn man mittendrin steckt. Ist es ein verrücktes Rückzugsgefecht der extremen Linken? Oder ist es ein Katalysator für noch mehr Wahnsinn? Ich empfinde diese Vorgänge als sehr seltsam. Den ethnischen Minderheiten bringen diese Proteste gar nichts. Man kann argumentieren, es sei superverrückt, Statuen abzureißen, weil man damit die eigene Geschichte abreißt. Andererseits ist es supertrivial. Der Sturz eines Denkmals ist billig und rein symbolisch. Er ändert nichts an den ökonomischen Strukturen.
WELT: Wie gefährlich ist das Ganze?
Thiel: Vielleicht wird alles nach den Wahlen verschwinden, weil die Aufstände vor allem auch gegen den Präsidenten gerichtet sind. Es ist ein Aberwitz: Man behauptet, es gehe um ethnische Minderheiten, aber eigentlich geht es darum, Trump durch einen noch älteren, noch weißeren Mann zu ersetzen.
WELT: Hat das Internet die Menschen freier oder unfreier gemacht?
Thiel: Vor 20 Jahren dachte man, das Internet sei eine gewaltige Kraft der Freiheit und der Dezentralisierung. Neue Stimmen konnten sich bemerkbar machen. Inzwischen nimmt die Zentralisierung zu. Ein paar Konzerne kontrollieren die großen Datenserver.
WELT: Muss man davor Angst haben?
Thiel: Es ist immer noch besser als die Alternative, und die Alternative sind die alten Medien. Ihr Meinungsspektrum ist viel enger. Das Silicon Valley ist vielfältiger. Die große Frage ist, ob es so bleibt.
WELT: Die Social-Media-Giganten zensurieren im großen Stil. Wer etwas Falsches sagt, muss damit rechnen, auf Twitter oder Facebook gesperrt zu werden. Verraten die Tech-Konzerne gerade ihr eigenes Versprechen?
Thiel: Im Silicon Valley gab es von Anfang an diese linksliberale Illusion, das Internet werde vor allem linksliberale Ideen verbreiten. Das existenzielle Problem des durchschnittlichen Twitter-Mitarbeiters besteht doch darin, dass er vor vier Jahren Bernie Sanders im Weißen Haus sehen wollte, dann aber merkte, dass Trump die Nummer eins auf Twitter ist. Die Twitter-Leute wollten Bernie, aber eigentlich arbeiteten sie für Trump. Das Silicon Valley wurde von Linksliberalen im Namen der Freiheit gegründet mit der Absicht, das Meinungsspektrum nach links zu verbreitern. Sie verbreiterten es aber unabsichtlich nach rechts. Hegel hätte dies den Trick die List der Geschichte genannt.
WELT: Sie waren einer der prominentesten und seltenen Exponenten des Silicon Valley, die sich für Trump ausgesprochen haben. Wie viele enge Freunde haben Sie damals verloren?
Thiel: Ich unterstützte Trump, und ich unterstütze ihn noch immer, weil ich glaube, dass seine Verurteilung der Zustände wahrer ist als die politisch korrekte Lüge des Mitte-links-Establishments. In diesem Punkt ist das Trump-Phänomen authentischer.
WELT: Wie beurteilen Sie Trumps Leistung als Präsident?
Thiel: Er ist der Kontrapunkt zu den Etablierten. Er ist die Alternative zu dem, was man vorher unhinterfragt für richtig gehalten hat. Diesen Kontrapunkt setzt er hervorragend. Seine Schwäche? Trump würde mir wohl zustimmen, dass er am Anfang zu viele Leute in die Regierung geholt hat, die zu sehr der alten Konsenssicht verhaftet waren. Für abschließende Urteile ist es noch zu früh. Wird Trump die Haltung des Westens gegenüber China ändern? Oder bekommen wir bald Joe Biden, diesen Marschall Pétain der Demokraten, der die Unterwerfung des Westens unter China vollenden wird? Ich sehe Biden als eine leicht jüngere, senilere Variante von Pétain, aber auch Pétain hatte glücklicherweise nicht das letzte Wort in der Geschichte.
WELT: Seine Kritiker behaupten, Trump sei charakterlich nicht geeignet als Präsident. Sie kennen ihn persönlich. Was ist Ihr Eindruck?
Thiel: In all unseren Interaktionen fand ich ihn unglaublich flüssig. Er hat ein scharfes Verständnis von Leuten, von der Dynamik. Die Art, wie er Dinge beschreibt, ist selbst dann, wenn er leicht danebenliegt, immer noch zutreffender als die politisch korrekte Konvention, die alle nachbeten. Bei einem Abendessen erzählte er mir von einem Treffen mit Präsident Xi, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas. Er, Trump, habe ihn im Gespräch als „König Chinas“ bezeichnet. Das ist faktisch natürlich falsch, kommunistische Länder haben keinen König, aber es ist eine bessere Beschreibung von Xis Position als all die Titel, die er sich selbst gibt oder die ihm zugewiesen werden. Trump hat die phänomenale Fähigkeit, zum Kern der Dinge vorzustoßen in einer Gesellschaft, der diese Fähigkeit abhanden zukommen scheint.
WELT: Ist der Klimawandel eines der großen Menschheitsprobleme?
Thiel: Ich nehme den Klimawandel als politisches und kulturelles Phänomen sehr ernst. Nehmen wir zuerst Europa. Da haben wir die Frage, wie die Zukunft aussehen soll. Und die Zukunft definiere ich als eine Zeit, die anders aussieht als die Gegenwart. Die Zukunft kann nicht diese niemals enden wollende Gegenwart sein, dieser ewige „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Zustand. Nun haben die führenden europäischen Parteien keinerlei Vision für eine Zukunft, die sich von der Gegenwart unterscheiden würde. Es geistern trotzdem Zukunftsvisionen herum. Ich sehe drei. Die erste Vision ist das Scharia-Gesetz, nach dem Frauen eine Burka tragen sollen. Man kann sich streiten, ob das erstrebenswert ist, aber es ist eine Zukunft, die sich von der Gegenwart unterscheidet.
Die zweite Vision ist, dass die künstliche Intelligenz des kommunistischen China alle durchleuchten wird. Ich nenne es das Auge Saurons in der Begrifflichkeit von „Der Herr der Ringe“. Es ist ein totalitärer Staat, der totalitärer ist als alles, was wir im 20. Jahrhundert gesehen haben. Hinter der dritten Tür stehen Greta und die grüne Revolution. In dieser Zukunft werden alle ihren Abfall wiederaufbereiten und mit elektrischen Autos herumfahren. Die grüne Utopie ist – innerhalb des Visionsvakuums der europäischen Politik – relativ gesehen die am wenigsten schlechte aller derzeit kursierenden Zukünfte. Darum hat diese Vision ein solches Charisma entfalten können. Aus Mangel an besseren Alternativen.
WELT: Europa zwischen China, Scharia und Greta: welch trostloser Ausblick. Wie gefährlich ist der Klimawandel an sich?
Thiel: Ich würde mehr an den Klimawandel und an die heutige Klimapolitik glauben, wenn ich das Gefühl hätte, es gäbe die Möglichkeit einer offenen Debatte und einen größeren Spielraum für Diskussionen. Die Art, wie heute Wissenschaft finanziert wird durch diese selbstbezüglichen Komitees von Gleichgläubigen, die anderen Gleichgläubigen Geld geben, hat mich zur Überzeugung kommen lassen, dass selbst dann, wenn wir ein menschengemachtes Klimawandelproblem haben, die Wissenschaft dahinter zwangsläufig falsch sein muss.
WELT: Der Wissenschaft ist nicht mehr zu trauen? Das wäre fürchterlich.
Thiel: Es ist so unglaubwürdig und so korrupt. Vielleicht ist Methan das ernsthaftere Treibhausgas als CO2. Vielleicht ist das Problem, dass wir Steaks essen, und nicht, dass wir Autos benutzen. Was mich am meisten frappiert: Wenn wir die Klimakatastrophe wirklich ernst nehmen wollen, dann müssen wir eine ganz andere Politik fordern. Ich würde zwei große politische Maßnahmen vorschlagen, aber keine davon ist heute auf der Agenda. Das ist der Grund, warum ich glaube, dass diese Klimaleute kein vollständig gutes Motiv haben.
WELT: An welche Maßnahmen denken Sie?
Thiel: Nuklearenergie ist das Wichtigste. Sie ist die saubere Energie der Zukunft. Die Klimalobby müsste ihr weltweit zum ganz großen Durchbruch verhelfen. Der zweite Aspekt ist, dass wir – wenn schon – den Klimawandel als globales Problem ernst nehmen sollten. Aber es grenzt an magisches Denken, wenn jeder in Deutschland oder Kalifornien ein Elektroauto fährt und annimmt, er sei ein weltweites Vorbild und alle würde es ihm nachmachen. Das ist Unsinn. Wenn man weniger Verschmutzung produziert in Deutschland, wird heute die Verschmutzung einfach um den Erdball exportiert nach China, wo die Verschmutzung nach oben geht, weil sie in China Kohle benutzen, was einen größeren Treibhauseffekt erzeugt.
Es sollte massive, einschneidende Zölle und Handelsbeschränkungen gegen China oder Indien und andere Staaten geben. Wir sollten nichts von ihnen importieren. Wir sollten sie wirtschaftlich bestrafen, weil sie den Planeten verschmutzen, denn die Hälfte aller Treibhausgase kommt aus Indien und China, und das weltweite Wachstum ist dort am stärksten. Die Debatte läuft aber nicht in diese Richtung. Sie dreht sich um Menschen in Schweden, die in Zügen herumrollen. Würden wir also die Klimafrage wirklich ernst nehmen, würden wir eine ganz andere Diskussion führen. Deshalb misstraue ich der Klimadebatte zutiefst.
WELT: Ist der Westen im Niedergang?
Thiel: Eindeutig ja. Oswald Spengler (Autor des Bestsellers „Der Untergang des Abendlandes“, Anm. d. Red.) fühlt sich auch nach 100 Jahren trotz aller Fehler und Irrtümer seltsam prophetisch an. Man muss den Niedergang des Westens, wenn man die Frage so direkt stellt, aus meiner Sicht sehr ernst nehmen.
WELT: Mit China bekommt der Westen starke Konkurrenz. Hilft uns China, die eigenen Stärken wiederzuentdecken?
Thiel: Vorsicht. Man muss seine Feinde mit Bedacht auswählen, denn die Gefahr ist, dass man so wird wie sie. Teile unserer Elite finden es vielleicht nicht einmal so unsympathisch, wenn wir wie die Chinesen werden, fügsamer, kontrollierbarer. Viele glauben, China funktioniere besser als der Westen. Ich hingegen bin der Meinung, dass wir eine echte Alternative zu China bilden müssen. Es wäre ein Pyrrhussieg, China zu besiegen, indem wir werden wie China.
WELT: Halten Sie das echt für möglich?
Thiel: Wir haben über Kollektivismus gesprochen, kontrolliertes Denken, Sprechverbote. Das haben wir doch alles schon. Natürlich sind die Strafen nicht so hart wie in China, aber auch in den USA verlieren Leute ihren Job, wenn sie das Falsche sagen. Man wird „deplatformed“. Die Risiken sind nicht untrivial. Wir sind China ungemütlich näher als noch vor vierzig Jahren.
WELT: Was ist an China gefährlich?
Thiel: Es wäre für den Westen besser, wenn China heute eine fundamental andere, nicht westliche Zivilisation wäre, wenn China dieses ureigene Selbstvertrauen noch hätte, wie damals, als die chinesischen Kaiser im 18. Jahrhundert den westlichen Abgesandten sagten, sie hätten keinerlei Interesse an ihren Schmuckstücken und Uhren, China sei bereits großartig. Diese Traditionen aber wurden alle ausgemerzt. China wird nicht in die Ming-Dynastie zurückkehren. Stattdessen gibt es ein kulturelles Vakuum, und China will die USA nachahmen. Das ist die Gefahr. Wenn die Chinesen ihre eigene Identität pflegten, wäre die Auseinandersetzung viel weniger konfrontativ. Beängstigend ist, dass die Chinesen wie die USA sein wollen, die führende Supermacht. Daraus ergibt sich der große Konflikt.
WELT: Ist Russland Gegner oder Partner des Westens?
Thiel: Die große Herausforderung für den Westen ist China, und wir sollten mit Russland gegen China zusammenarbeiten, wie wir in den 1970ern und 1980ern mit China gegen Russland zusammengearbeitet haben. Allerdings frage ich mich, ob Russland nicht bereits ein Satellit Chinas ist. Huawei soll in Russland die ganze Telekommunikationsinfrastruktur aufbauen. Für mich ist Huawei das Spionagesystem des 21. Jahrhunderts.
WELT: Was wollen Sie in der Zukunft noch erreichen?
Thiel: Wenn Sie mich so direkt fragen: Ich möchte in den nächsten zehn Jahren etwas machen, was den Niedergang des Westens umkehrt. Aber wie soll man da vorgehen? Die letzten Jahre habe ich es versucht, indem ich erfolgreiche Unternehmen gegründet und investiert habe, aber das ist irgendwo nicht genug. Was darüber hinaus in unserer Gesellschaft etwas bringt, ist schwer zu sagen. Aber darüber denke ich konkret nach: „Was können wir tun in dieser hochgradig gestörten westlichen Zivilisation, in der wir uns befinden und die wir schützen wollen?“ Das scheint mir heute die zentrale Frage zu sein.
Zur Person
Peter Thiel, 53, wurde in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Philosophie in Stanford, mit noch unter 30 Jahren startete er seine erste Investmentfirma. Sein Durchbruch war um die Jahrtausendwende der Online-Bezahldienst PayPal, den er mit Freunden und dem späteren Überflieger-Visionär Elon Musk trotz Rückschlägen zu einem Milliardenerfolg machte. Sein Geniestreich war der Einstieg als erster Großinvestor bei Facebook. Aus 500.000 Dollar Einsatz resultierte rund eine Milliarde Gewinn. Politisch aufhorchen ließ er als eloquenter Verfechter libertärer Ideen und als Unterstützer des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Dieses Interview erschien zuerst in einer längeren Fassung im Schweizer Magazin „Die Weltwoche“. Roger Köppel ist Verleger und Chefredaktor dieser Zeitschrift.
(Aachener Nachrichten AN/Aachener Zeitung AZ sind Produkte des Medienhauses Aachen) einen Betroffenen ausgegraben, Entschuldigung, der Mann lebt ja noch, der vom Grauen einer – nichtdurch Covid-19 verursachten – Intensivbehandlung berichtet.
Dass die Behandlung, die der Mann, der nicht an Covid-19 erkrankt war, erleiden musste, höchst unangenehm, dass die Behandlung bestimmt genau so war, wie von AN-Reporter Gerald Eimer anschaulich in Szene gesetzt und beschrieben wird, das steht außer Frage.
77 Jahre alt ist Dipl.-Ing. Eckard Köppel und schwer herzkrank:
Er sei dem Tod nochmal knapp von der Schippe gesprungen, sagt der 77-Jährige aus Walheim, der vor einem Jahr am Herz operiert worden ist und sich dann im Krankenhaus einen schweren Infekt zugezogen hat. Fast vier Wochen lag er auf der Intensivstation.
Da kann Herr Köppel wirklich froh sein, dass er das Krankenhaus damals lebend verlassen konnte. Dass sein ohnehin durch Herzkrankheit plus OP geschwächter Körper ein „gefundenes Fressen“ für einen schweren Infekt war, egal ob Covid-19, Influenza, Lungenentzündung oder eine „einfache Erkältung“, das ist lange bekannt. Infektionskrankheiten sind sehr häufig der letzte Tropfen, der das Lebensfass eines Menschen zum Überlaufen bringt, der letzte Tropfen, der den Tod zur Folge hat. Deshalb sollten Menschen mit solcher Disposition – übrigens auch der Autor dieses Artikels, Rüdiger Stobbe, 66 Jahre, chronisch krank – besonders vorsichtig sein. Aktiv (Nicht im kalten Regen in der Schlange vor dem Supermarkt stehen!) und passiv (Keinesfalls den ÖPNV, wo vor allem bestimmte Bevölkerungsteile die Maskenpflicht immer wieder gerne missachten, nutzen! Wobei aktiv und passiv ganz sicher verschwimmen). Nicht nur wegen Corona. Sondern auch wegen jeder anderen Infektion. Wie das Beispiel von Eckard Köppel, der gar nicht an Corona erkrankt war oder ist, zeigt.
Bleibt dennoch die Frage, ob deshalb ein Land komplett heruntergefahren und am Ende des Tages platt gemacht werden muss. Für die meisten Menschen verläuft Corona mild, wie bereits Prof. Drosten sagte. Viele, viele andere Krankheiten führen zu schlimmen Aufenthalten auf Intensivstationen, oft endend mit dem Tod. Vorerkrankte alte Menschen sterben am Ende oft durch eine ´simple` Erkältung, welche für Gesunde harmlos ist, eine Erkältung, an der Millionen Menschen pro Jahr erkranken und die allermeisten überleben. Da ist Corona keine Besonderheit. Knapp 3/4 der belegten Intensivbetten sind nicht mit Corona-Kranken belegt, sondern mit ´normalen`, schwer kranken Menschen. So wie eben auch Herr Köppel nach seiner Herz-OP mit der Komplikation „Infekt der Lunge“ einer war.
Bleibt die Frage, wo der erzieherische Effekt des Artikels der AN sein soll?
Antwort:
Man hat neben der Intensivpflegerin Slivinskynun einen weiteren Protagonisten, Herrn Köppel, gefunden, der für die schmierige Angst & Panik-Propaganda des linientreuen* Medienhauses Aachen instrumentalisiert wird.
Ihr braucht uns nicht gleichzuschalten. Wir haben bereits verinnerlicht, was richtig und falsch ist. Überparteilichkeit war gestern. Heute gilt Haltung. Und zwar die richtige. Eure!
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Verlässliche Informationen: Lesen Sie ausführlich die Corona-Fakten
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Quelle grün-kursive Zitate und Text im Original lesen: Hier klicken
Es sind nicht nur die Querdenker-Demonstranten, über die sich Eckard Köppel ärgert. Auch im eigenen Bekanntenkreis gibt es viele, die Corona immer noch für eine harmlose Grippe halten und die Gefahren nicht richtig ernst nehmen. „Deswegen habe ich aufgeschrieben, wie es einem geht, wenn man mit einer schweren Lungenerkrankung auf der Intensivstation liegt.“
Er sei dem Tod nochmal knapp von der Schippe gesprungen, sagt der 77-Jährige aus Walheim, der vor einem Jahr am Herz operiert worden ist und sich dann im Krankenhaus einen schweren Infekt zugezogen hat. Fast vier Wochen lag er auf der Intensivstation. Covid-19 kann damals noch nicht die Ursache gewesen sein, aber die Folgeschäden waren vergleichbar und so prägend, dass er sie in einem anderthalbseitigen Text festgehalten hat. Per E-Mail verschickt er ihn an Freunde und Bekannte. Sein Ziel: Corona-Verharmloser von den Gefahren zu überzeugen und ihnen die möglichen Folgen vor Augen zu führen. „Das Schlimme ist ja, dass sie mit ihrer Haltung eventuell auch andere infizieren.“
Er könne sich nicht mehr an alles erinnern, was auf der Intensivstation passiert ist, aber hängen geblieben ist das schreckliche Gefühl, jeden Moment ersticken zu können. Die künstliche Beatmung über eine Maske misslang, deswegen mussten die Ärzte die Luftröhre am Hals aufschneiden und einen Schlauch einführen. Schon dieser Eingriff bereitete ihm heftige Schmerzen, sie wurden „unerträglich, wenn der Schlauch bewegt wurde, um Schleim aus der Lunge abzusaugen“. Auch die Mahlzeiten waren kein Vergnügen. „Die Speisen waren zwar püriert, aber schon das kleinste Partikel verursachte beim Schlucken einen höllischen Schmerz“, sagt er.
Angst zu verdursten
In dieser Phase konnte er nicht sprechen, da die Atemluft direkt über den Schlauch und nicht an den Stimmbändern vorbei abgeführt wurde. „Ich konnte mich deshalb nicht verständlich machen, ich hatte häufig Durst und konnte das nicht ausdrücken.“ Eine weitere schlimme Erfahrung, weil damit auch die Angst hinzukam, zu verdursten. Diese Vorstellung kehrte immer wieder auch in seinen Albträumen und Delirien zurück, die er bis heute als besonders belastend in Erinnerung hat.
„Es ist schwer, sich das vorzustellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat“, sagt er. Er habe die schlimmsten lebensbedrohlichen Situationen miterlebt und nicht mehr unterscheiden können, was Wirklichkeit und was Albtraum war. „Ein Horrorfilmemacher hätte seine wahre Freude gehabt“, glaubt Köppel. „Ich konnte nicht zwischen Wachen und Schlaf unterscheiden – für mich waren alle Horrorbilder real.“ Die Erinnerung daran ist ihm bis heute geblieben. Sein Glück: Die Todesängste sind inzwischen vergangen, einen psychischen Schaden hat er nicht davongetragen.
Bis zur weiteren körperlichen Genesung verging jedoch noch viel Zeit. Weil er so lange auf der Intensivstation gelegen hat, musste er ganz normale Bewegungen erst wieder mühsam erlernen. „Ich war so schwach, dass ich im Bett, wenn mich die Pfleger in Sitzposition gebracht hatten, immer wieder umfiel.“ Er habe anfangs nicht geglaubt, jemals wieder laufen zu können. Zunächst konnte er sich nur im Rollstuhl, später mit Gehhilfen bewegen.
Trotz seiner schrecklichen Erfahrungen sagt er: „Ich kann von Glück reden, so gute Ärzte und Pfleger gefunden zu haben.“ Froh ist er auch darüber, „dass es Medikamente und Blutspenden gibt und diese auch zur Verfügung standen, durch die ich gerettet worden bin.“ Durch die Pandemie ist das jetzt gefährdet. Was, wenn die Infektionszahlen steigen und Intensivbetten und Pflegekräfte fehlen? „Wenn man dann erfährt, dass in Österreich wegen der Bettenknappheit an Triage gedacht wird, kann man sich vorstellen, dass Patienten in meinem Alter von 76 Jahren mit einer entsprechenden Herzerkrankung keine Chance gehabt hätten.“
Auch seine Familie habe ihm während dieser für ihn so beängstigenden Situation sehr geholfen. Ständig konnte jemand an seinem Bett sein. Bei Covid 19 ist das nicht möglich. Kein Zuspruch, kein Händehalten, kein Streicheln.
„Vielleicht wird es den Maskenverweigerern und Verharmlosern durch meine Geschichte klar, was sie anstellen, wenn sie durch ihr Verhalten andere Menschen gefährden und dieses Virus verbreiten. Eure Freiheit geht auf Kosten anderer – überlegt mal, ob ihr das wirklich wollt.“
Überhaupt hat der Maschinenbau-Ingenieur wenig Verständnis für die Proteste gegen eine angebliche Corona-Diktatur und für die Forderungen nach „Freiheit“ in diesen Tagen. Seine Kindheit hat er in der ehemaligen DDR in Naumburg verbracht. Er könne sich noch gut an die Ängste der Menschen vor der Stasi und dem russischen Geheimdienst GPU erinnern. „Das war damals Freiheitsentzug, aber nicht das, was hier passiert.“