Essay zum Sonntag, 18.10.2020: Lügenpresse – Lückenpresse – Schwache Medien

« … bis sich die Balken biegen«

Wer diese Überschrift liest, der wird intuitiv wissen:

Es geht hier nicht um Schreiner und Zimmerleute. Sondern um unsere Journalisten in Presse, Funk und Fernsehen, und um eine ihrer liebsten Betätigungen:

Lügen

Eines gleich vorweg: Es gab und gibt wunderbare, hart recherchierende und wahrheitsliebende Journalisten, die man nur rundweg bewundern kann. Leider sind diese Leute in unserer heutigen Presselandschaft eine kleine, vom Aussterben bedrohte Minderheit.

In einem Meer des Tarnens, Tricksens, Täuschens, des Verschweigens sowie der ganz direkten frechen Lüge sind sie so etwas wie ein letztes Fähnlein der Aufrechten. Um die geht es hier nicht.

Es geht um die große Masse von Schreiberlingen, denen Fakten,
Zusammenhänge und Wahrheiten schlichtweg egal sind, wenn sie nicht mit ihrer politischen Einstellung (oder der der Redaktion), dem Interesse, etwas verkaufen zu können, oder dem Wunsch, mit möglichst wenig Arbeitsaufwand ins Blatt zu kommen, vereinbar sind. Leider ist das die übergroße Mehrheit.

Ich rede hier nicht von Boulevard-Journalismus. Ich rede von den Herren und Damen der politischen Zunft. Falls es überhaupt noch Sinn macht, hier einen Unterschied zu postulieren, denn beide Sparten gleichen sich immer mehr an – im Sinne des Boulevard. Was in den letzten Jahren so alles über Trump verbreitet wurde, von einer festgeklebten Krawatte bis zu den zu hohen Stöckelschuhen seiner Frau in matschigem Boden oder sein Schäferstündchen mit einer Pornodarstellerin – das hätte
noch vor wenigen Jahrzehnten als »unterste Schublade« gegolten und hätte nie den Weg in die Zeitung gefunden. Lange ist’s her, dass Journalisten über Kennedys und Brandts außereheliche Affären schwiegen, obwohl sie Bescheid wussten. Diese Zeiten sind passé.

Niveaulosigkeit ist nicht mein Thema. Auch nicht die eklatante Allgemeinbildungsallergie vieler Schreiber. Obwohl, mangelnde Sachkenntnis und Lügen hängen zusammen. Wer nicht viel weiß, aber etwas fürs Blatt produzieren soll, der kommt halt leicht in die Versuchung, etwas zu erfinden.

Wenn eine große Zeitung feststellt, dass die Währung eines Landes verfällt, und deshalb seine Exportindustrie wegen steigender Preise in die Bredouille kommt, dann ist das eher etwas für die Lachmuskeln als für das Empörungszentrum. Auch wenn Zeitungen, die sich als ›Qualitätsblätter‹ gerieren, aus geringsten prozentualen Veränderungen in Umfragen sensationelle Schlüsse ziehen, als gäbe es keine
normalen Statistikfehler: Man darf an die Bildung von etlicher Journalisten keine zu hohen Ansprüche stellen.

Hier geht es ums Lügen. Und zwar in vielerlei Form. Um das direkte Lügen, das Erfinden von ´Fakten`, aber auch das Verschweigen von verständnisnotwendigen Tatsachen oder das Manipulieren und Verdrehen von Fakten und Zusammenhängen.

›Spin‹ und ›Framing‹ sind wieder andere Phänomene, die hier nur am Rand erwähnt werden sollen. Das Thema kam zu mir vor vielen Jahrzehnten, als ich einmal den Vorschlag machte, zu einem Kolloquium doch einmal einen Journalisten, und nicht nur Professoren, einzuladen. Die Kollegen reagierten mit Gesichtsausdrücken, als hätten sie auf einen
fauligen Froschkadaver gebissen. Die Begründung ihrer Ablehnung war dann nicht schmeichelhaft für die mediale Zunft.

Wie recht sie hatten, ging mir wenig später auf, als ich nach der Lektüre einer Studie über den deutschen Arbeitsmarkt, die einfach und unmissverständlich formuliert war, den Bericht einer großen süddeutschen Zeitung über genau jene Studie las. Der Inhalt der Studie war in sein exaktes Gegenteil verkehrt worden. Meine Nachfrage bei der Zeitung erbrachte die lapidare Antwort: »Das ist journalistische Freiheit!«. Ich fühlte mich als Leser verhöhnt.

Seitdem habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, Zeitungs- und Rundfunkberichte stichprobenartig nachzuprüfen, was später durch das Internet wesentlich erleichtert wurde. Dabei ergab sich, dass Unwahrheiten in den Medien sehr viel häufiger vorkommen, als ich vorher vermutet hatte. Oft handelt es sich nur um simple Buchbesprechungen, die offenbarten, dass der Rezensent das Buch nur sehr oberflächlich und lückenhaft gelesen hatte. Meist waren es aber wichtigere Fälle. Fälle, bei denen man von absichtlicher Fehlinformation ausgehen muss.

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!  (Brecht, Galileo Galilei).

Legt man Brechts Maßstab an, dann wimmelt es in Presse und Rundfunk vor Verbrechern. Es ist sehr oft unmöglich, die Wahrheit zu übersehen. Musterbeispiel waren die Silvesterereignisse am Kölner Bahnhof 2015, als noch Tage später linke Journalisten erklärten, es sei Stimmungsmache und Spekulation, wenn man dort von Migranten als Täter spräche.

Ein Grenzfall ist der sogenannte ›Joseph-Fall von Sebnitz‹, wo der kleine Joseph Kantelberg-Abdullah unter der Zuschauerschaft von vielen hundert Schwimmbadbesuchern angeblich von Rechtsradikalen ertränkt worden war. Die Presse stieg hier im Jahr 2000 voll in die Empörungswelle ein, zumal der einschlägig bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer dazu ein Gutachten beigesteuert hatte. Das ganze entpuppte sich dann als Märchen – es war ein Unfall gewesen. Jedenfalls hätte hier eine sofortige
Überprüfung der Fakten schnell ergeben, dass es ›fake news‹ waren.

Im Jahr 2016 titelte die FAZ, und mit ihr viele andere Zeitungen, dass die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry einen »Schiessbefehl« an der Grenze zur Abwehr von Flüchtlingen gefordert habe. Spätestens damit hat die FAZ sich aus ihrer eigenen Tradition des deutschen Qualitätsblattes par excellence verabschiedet – denn die Schlagzeile war gleich in zweierlei Hinsicht verlogen.

  1. Frauke Petry hat nie einen »Schiessbefehl« gefordert – der wurde ihr von wahrheitsindifferenten Journalisten in den Mund gelegt.
  2. Sie nichts anderes getan, als die geltende Rechtslage wiederzugeben. Es geht hier um das ›Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes< Siehe dazu auch: »Schusswaffengebrauch an der Grenze?«

Man muss sich das einmal genüsslich auf den Hirnwindungen zergehen lassen:

Da skandalisieren Journalisten die Aussage einer Politikerin, die nichts anderes tut, als auf ein geltendes Gesetz hinzuweisen. Was nichts anders bedeutet, dass Journalisten nicht nur der Wortlaut des Interviews mit Petry
– also die Fakten – egal waren, sondern auch die geltende Rechtslage.
Wäre es anders gewesen, hätten sie wenigstens einmal in das Gesetz hineingeschaut. Statt dessen wurde die Empörungsmaschinerie angeworfen. Wer Lust auf ein skurriles Pandämonium der publizistischen Dämlichkeiten und Verdrehungen hat, kann sich einmal den knapp viertelstündigen Youtube-Clip »Was Frauke Petry wirklich gesagt hat zum Schusswaffengebrauch an der Grenze« anschauen. Vorwarnung:

Das erfordert starke Nerven.

Noch hanebüchener ging es zu bei Akif Pirinccis Rede beim Pegida-Jahrestag 2015. Man muss diese Rede nicht gut finden – ich tue das auch nicht. Aber rechtfertigt das, sie völlig zu verdrehen?  Der (später ermordete) CDU-Politiker Walter Lübcke hatte Deutschen, die mit der »Flüchtlingspolitik« der Regierung nicht einverstanden waren, die Auswanderung nahegelegt. Der Satiriker Pirincci hatte das kommentiert mit dem Satz: »Es gäbe natürlich auch andere Alternativen [statt auswandern]. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb«

Jedem durchschnittlich intelligenten Menschen, der lesen kann, der der deutschen Sprache mächtig ist, musste klar sein, dass nicht gemeint war: »Migranten ins KZ«, sondern »regierungskritische Deutsche ins KZ« (als persiflierte Haltung Lübckes).

Trotzdem ging der Tenor durch den Blätterwald, Pirincci fordere KZ für Flüchtlinge. Das Bittere an dieser Geschichte ist, dass selbst Tage danach, als jeder Gelegenheit gehabt hatte, sich den Originalwortlaut Pirinccis anzulesen, noch vielfach Dementi oder gar Entschuldigungen verweigert wurden. Dass andere Formulierungen in Pirinccis Rede nach deutschem Recht Straftatbestände darstellten, für die er auch zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, ist eine andere Sache und rechtfertigt nicht solche Verdrehungen.

Wenn Zeitungen Vorfälle erfinden oder bis zur Unkenntlichkeit »ausschmücken«, offenbaren sie oft beträchtliche ´kreative Phantasie`. Ein Beispiel dafür sind die berühmten »Hetzjagden« von Chemnitz 2018, als auf einer Demonstration wegen der Ermordung eines Deutschen durch irakische bzw. syrische Migranten das Video von »Antifa Zeckenbiss« durch die deutsche Öffentlichkeit geisterte.

Die »Hetzjagden auf Flüchtlinge« waren aus der Taufe gehoben.
Obwohl schon der damalige Verfassungsschutzchef Maassen skeptisch war (weswegen er später ja gehen musste) und die Chemnitzer Staatsanwaltschaft recht zügig die öffentliche Darstellung solcher Jagden dementierte, interessierte das den Großteil der deutschen Presse kaum.
Man blieb störrisch bei seinen Lügen, auch als ›Tichys Einblick‹ recherchierte, dass die ›Zeckenbiss-Hetzjagd‹ ein Zulaufen auf einen Migranten, der provoziert hatte, von wenigen Metern war – mehr nicht (»Hase, Du bleibst hier!).

Bei der Bild-Zeitung müssen wohl deshalb massenweise Leserzuschriften eingegangen sein – jedenfalls sah sich der damalige oberste Wahrheitsdrechsler des Blattes, Ernst Elitz, gezwungen, die Berichterstattung mit der originellen Feststellung zu rechtfertigen, dass es keine Definition gäbe, wie lang eine Hetzjagd sein müsse. Elitz kommt damit das Verdienst zu, die Sieben-Meter-Hetzjagd erfunden zu haben.
Zwar legten die bekannt »wahrheitsliebenden« NDR, WDR und SZ ein Jahr später wie durch Zauberhand Chatprotokolle von Rechtsradikalen vor, auf denen sie sich angeblich zu Hetzjagden verabredet hätten – auf den alten Videos zu Chemnitz ist davon aber nichts zu sehen, noch gibt es dazu glaubwürdige Zeugen.

Es gilt: Auch Rechtsradikale – nicht nur Journalisten – verbreiten ab und zu substanzloses Geschwätz.

Es ist erst einige Wochen her, dass im wesentlichen dieselbe wilde Journaleska über den angeblichen Sturm einer wütenden Corona-Demonstrantenmenge auf den Berliner Reichstag berichtete, der – je nach Version – von drei bzw. sechs »heldenhaften« Polizisten abgewehrt wurde.
Man fragt sich, wie haben diese wenigen Beamten das – ohne Schusswaffengebrauch und Blutbad – bewerkstelligt? Haben sie die anstürmende Menge hypnotisiert? Oder waren das Kung-Fu-Meister, die, wie das in Bruce-Lee-Filmen vorkommt, zu wenigen gleich mehrere hundert Gegner in Schach halten? Oder waren die »zähnefletschenden Erstürmer« am Ende gar nicht so aggressiv, sondern eher handzahm?

Die Lügen der Presse sind in vielen Fällen eher lächerlich als empörend. Der berühmte Fall von Claas Relotius, der bekannt ist und auf den deshalb hier nicht noch einmal eingegangen werden soll, ist ein Beispiel. Dieser mit Journalistenpreisen bedachte Bildungsriese hat für eine seiner erfundenen »Reportagen« gleich den Mississippi um viele hundert Kilometer durch die amerikanische Geographie verschoben. Was dann doch irgendwann jemandem auffiel. Am Fall Relotius ist besonders bemerkenswert, dass selbst am Wikipedia-Eintrag über diesen Fälscher noch herumgefälscht wurde, offenbar um seine Aktionen zu verharmlosen und zu relativieren. Wahrscheinlich ist, dass er das selbst versuchte (siehe
Die Relativierung des Relotius-Skandals auf Wikipedia). Da offenbart sich schon sagenhafte kriminelle Energie. Und, wie das nicht anders zu erwarten war, fand Relotius schnell einen Nachfolger.

Der – ebenso wie Relotius – preisgekrönte Journalist Dirk Gieselmann, der u.a. für die Süddeutsche, den Spiegel und die Zeit schrieb, versuchte, es seinem Vorbild nachzutun. Zwar reichten  seine Ergüsse nicht ganz an die Brillanz der Relotius’schen Total-Erfindungen heran, schaffte es aber immerhin, die Hauptfigur seiner Geschichtlein aus dem Nichts
zu erschaffen  (Der Fälscher Relotius ist kein Einzelfall).

Werfen wir einen ganz kurzen Blick zurück auf Vergangenes. Schon der »rasende Reporter« Egon Erwin Kisch nahm es mit den Fakten nicht so genau. Was er später über seine allererste Reportage sagte, ist bemerkenswert (siehe  Egon Erwin Kisch – ein früher Relotius?).

Nun, im Vergleich zu Relotius war Kisch fast ein Wahrheitsfetischist. Dieses Prädikat kann sich allerdings einer der einflussreichsten deutschen TV-Journalisten, der das Nahost-Bild einer ganzen Generation von Fernsehzuschauern mitgeprägt hat, nicht anheften: Gerhard Konzelmann, seines Zeichens verhinderter Komponist und Araber-Versteher. Nicht nur, dass er beinahe ganze Bücher aus der Fachliteratur Wort für Wort abschrieb – wenn es darum ging, eine lebhafte, verkaufbare Reportage zu machen, hatte er geniale Einfälle. Der Kollege Ulrich Kienzle bezeichnete Konzelmann als einen journalistischen Freibeuter, der eine ganze Fälscherwerkstatt ersetze. Als Konzelmann während der Ölkrise fotogen von der Kommandozentrale eines Öltankers aus berichten wollte, er allerdings gerade keinen passenden Tanker zur Hand hatte, musste der Heizungskeller des Süddeutschen Rundfunks mit seinen Rohren und Gerätschaften diese Kommandozentrale mimen. Man muss sich nur zu helfen wissen!

Einen um ein vielfaches übleren und absolut nicht humoresken Fall stellte die Meldung des Spiegel-Journalisten Hans Leyendecker über die angebliche »Hinrichtung« des RAF-Terroristen Wolgang Grams durch die deutsche Polizei in Bad Kleinen dar. »Eine Tötung wie eine Exekution« schrieb der Spiegel in seiner Nummer 27/1993. Ein Beamter – so ein angeblicher Informant Leyendeckers – habe den wehrlosen Terroristen per Kopfschuss aus geringer Entfernung hingerichtet (siehe »20
Jahre Bad Kleinen – warum der Spiegel seine Fehler endlich aufarbeiten muss«, in: ›newsroomschweiz.ch‹, 24.6.2013). Wie sich nach langwierigen und intensiven Untersuchungen herausstellte, war die ganze
Story von vorne bis hinten frei erfunden. Sie war eine  verkaufsfördernde Sensation dar und passte auch nicht schlecht zur linken, – damals noch – staatskritischen Agenda des Spiegel. Da schaute man nicht so genau hin, ob Leyendeckers Informant wirklich zuverlässig war – oder ob es einen solchen Informanten überhaupt gab. Es spricht einiges dafür, dass Leyendecker seine »Quelle« frei erfunden hat. Hätte der Mann wirklich existiert, wäre es für Leyendecker mehr als plausibel gewesen, seine Identität
im Lauf der Jahre zu outen. Denn – seine Existenz vorausgesetzt – er hätte ja dann auch Leyendecker betrogen und ihm geschadet. Wer schützt denn die Identität eines  Menschen, der einen betrogen hat?

 

Blicken wir noch über den großen Teich, wo sich ebenfalls muntere Lügner und Fälscher tummeln. Aufgrund der Vielzahl der Fälle wäre es nicht opportun, alle hier abzuhandeln, da die meisten der betroffenen Journalisten europäischen Lesern wohl wenig bekannt sein dürften.

Janet Cooke veröffentlichte als Mitarbeiterin der renommierten ›Washington Post‹ im Jahr 1980 eine Artikelserie über einen jugendlichen Heroinsüchtigen. Es waren Rührstücke par excellence. Dafür wurde ihr sogar der Pulitzerpreis zuerkannt. Bis sich herausstellte, dass sie alles frei erfunden hatte.

1998 erfand der ›New Republic‹-Reporter Stephen Glass die Geschichte eines 15jährigen Hackers, der Cybersicherheitsberater wurde. Alles Fake. Dazu fälschte er sogar (dilettantisch) eine Webseite von AOL.

Der ›Associated Press‹-Reporter Christopher Newton erfand nicht nur Personen, sondern ganze Organisationen und Institutionen, über die er dann berichtete. Schon eine ganz besondere Qualität des Lügens.
Juan Thompson, der für die Webseite ›The Intercept‹ arbeitete, zitierte Personen, mit denen er nie gesprochen hatte, Personen, die offenbar nicht existierten, und fabrizierte ganze E-Mail-Accounts von nicht existenten Quellen. Als er gefeuert wurde, bezichtigte er seinen Arbeitgeber des … Rassismus.

›Boston Globe‹- Reporterin Patricia Smith erfand eine ganze Reihe von Stories, für die sie sogar in die Endauswahl des Pulitzer Preises kam. Darunter die von A bis Z fabrizierte Rührgeschichte eines an Krebs sterbenden Patienten.

Jayson Blair arbeitete für die ›New York Times‹ Sie erfand Zitate und Szenen, die nie  stattgefunden hatten. 2003 feuerte ihn die NYT.

Sogar journalistische Legenden wie Bob Woodward (Watergate) sind sich manchmal nicht zu schade, zu Phantastereien zu greifen. 2013 behauptete er wahrheitswidrig, Obamas Wirtschaftsberater Sperling habe ihn »bedroht«. etc pp.

Journalisten brauchen permanent Material, um eine bestimmte Politik zu ›pushen‹ und Gegner zu desavouieren. Journalisten agieren heute vielfach nicht wie Nachrichten-Dienstleister, sondern als eine Art ›Politiker zweiter Ordnung‹. Sie haben ihre politischen Agenda und schreiben für ihre Weltanschauung – nicht zur Information der Leser .

Wenn es eine ausreichende Vielfalt in den Medien gibt, ist diese Situation für die Demokratie nicht dysfunktional. In unserer modernen, nahezu „gleichgeschalteten“ Medienlandschaft in Deutschland allerdings ist sie tödlich.

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Ein weiterer Essay aus dem Jahr 2016  zum Thema: Hier klicken

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Artikel zum Sonntag, 11.10.2020: Meilenstein – Diskussion Migration

Es ist eine bemerkenswerte Diskussion, es ist ein 

Meilenstein

in Sachen Migration und allem, was damit zusammenhängt:

Diese 1 3/4 Stunde ist ein Muss für alle Interessierten.

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Die reine Tonspur

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Artikel zum Sonntag, 30.8.2020: Manfred Thöne – Das Schutzdiktat

Der Influenza – Monatsbericht für KW 29 bis 32 (11.07-07.08) 

… des RKI weist aus:

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Artikel zum Sonntag, 16.8.2020: Hygienediktatur wird etabliert & stabilisiert

Deutschland „ermächtigt“ wieder!

Wo? Im

[…] Das Bundesministerium für Gesundheit wird im Rahmen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite unbeschadet der Befugnisse der Länder ermächtigt, … […]

Quelle: Hier klicken

Was ist eine Epidemische Lage von nationaler Tragweite?

Wird nach Gusto festgelegt! Ganz offensichtlich.

Denn …
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Artikel zum Sonntag, 9.8.2020: ZDF – Vasallen des Klimawandels

Wetterfrosch Terli

… erklärt einem Millionenpublikum den Klimawandel:

In 44 Sekunden. Das ist ja mal was.

Die Grafik hat das PIK, Herr Rahmstorf beigesteuert.

Und dann, was passiert dann?

Dann gibt es auf einmal am 6.8.2020 auf WELTplus von Axel Bojanowski einen Artikel, der sich mit der obigen „Klimaanalyse“ kritisch auseinandersetzt. Weil dieser Artikel so wichtig, weil er in einem Mainstreammedium so selten ist, zitiere ich den Text vollständig. Wollen Sie den Artikel mit allen Grafiken, Verweisen und Kommentaren komplett lesen, zeichnen Sie das WELTplus-Abo. Es lohnt sich.

Grün-kursives Zitat & kompletten WELTplus-Artikel lesen: Hier klicken

[…] Der Wetterbericht des „Heute Journal“ im ZDF am 24. Juli wartete mit einer vermeintlichen Sensation auf. Moderator Özden Terli präsentierte eine Grafik, die den Verlauf der globalen Durchschnittstemperatur seit der Eiszeit zeigen sollte. Zunächst habe sich „die Erwärmung sehr langsam vollzogen“, erklärte Terli, „und dann war es lange Zeit stabil“. Plötzlich aber, seit etwa 1900, machte die Temperatur „einen Sprung nach oben“.

Die Grafik zeigte einen fast senkrechten roten Strich, dessen Spitze sämtliche Temperaturen seit der Eiszeit weit überragte. „Dieser Sprung ist schon enorm“, sagte Terli. Dem Millionenpublikum der Sendung wurde gezeigt, dass die Gegenwart wärmer wäre als die gesamte restliche Zeit menschlicher Zivilisation. Die Erkenntnis konnte nur eine wissenschaftliche Sensation sein, oder eine Ente.

Zwar gibt es keine vernünftigen Zweifel daran, dass von Menschen verursachte Abgase eine riskante Erwärmung ausgelöst haben. Doch dass die Forschung mittlerweile herausgefunden hätte, es wäre bereits wärmer als während aller Jahre seit der Eiszeit, war eine Ente. Was war geschehen?

Die im „Heute Journal“ präsentierte Grafik stammte zwar aus der Fachliteratur, allerdings nur bis zu ihrem entscheidenden Element: Der senkrecht steigende rote Strich war kurzerhand ergänzt worden. Ein Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hatte die Grafik komponiert und auf Twitter an seine Abonnenten verschickt – zum Erschrecken seiner Kollegen, der eigentlichen Experten für das Klima der Vergangenheit.

Die Grafik war ein Taschenspieltrick: Die steile rote Linie am Ende war nicht vergleichbar mit den Daten in der Zeit zuvor. Sie zeigte jährlich gemessene Durchschnittstemperaturen auf der Erde seit Ende des 19. Jahrhunderts. Für frühere Zeiten aber gibt es solch genaue Aufzeichnungen nicht. Die meisten Zeiten der Zivilisationsgeschichte lassen sich nur mit Durchschnittswerten darstellen.

Häufig gibt es nur einen Temperaturwert für Hunderte Jahre, oder Daten wurden „geglättet“, also nur ihr Durchschnittswert dargestellt – kurzzeitige Erwärmungen oder Abkühlungen werden nicht gezeigt. Um die Zeit von der Industrialisierung bis heute (der steile rote Strich) mit den Daten der restlichen Zeit vergleichbar zu machen, dürfte sie also lediglich als ein Punkt dargestellt werden, der die Durchschnittstemperatur von 1900 bis heute zeigt – der rote Strich wäre nur ein unauffälliger Punkt.

WELT hat vier der angesehensten Experten zum Klima der Vergangenheit zu der Grafik befragt: „Sonderlich seriös ist diese Art der Darstellung nicht“, sagt Jan Esper, Paläoklimatologe an der Universität Mainz. Man sollte die Temperaturmessungen seit 1900 nicht in einer gemeinsamen Grafik mit den Temperaturrekonstruktionen zeigen. „Wir wissen nicht, ob die heutige Zeit wärmer ist als andere Warmphasen während der vergangenen Jahrtausende“, sagt Esper.

Sein Kollege Jürg Luterbacher von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) stimmt zu: „Wir wissen es einfach nicht und sollten in unseren Aussagen sehr vorsichtig sein.“ Selbst für das gut erforschte Europa seien eindeutige Temperaturvergleiche sogar für die jüngsten 2000 Jahre „sehr schwierig“. Die zeitliche Auflösung der Temperaturdaten für frühere Zeiten wäre zu grob für einen Vergleich mit der Gegenwart, erläutert Eduardo Zorita vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

„Wäre eine 200-jährige Periode früher wärmer gewesen als heute, würden es die Daten nicht zeigen können.“ Der Paläoklimatologe Ulf Büntgen von der University of Cambridge teilte mit, dass er sich den Aussagen seiner Kollegen anschlösse.

ZDF-Moderator Terli hatte also eine Klimaschnurre gesendet, wie schon häufiger in den vergangenen Monaten. Vergangenen Freitag erst führte er die Dürre in Deutschland „auf Veränderungen im Klimasystem“ zurück, wieder ohne wissenschaftliche Belege zu liefern. Im Zuge des Klimawandels haben in Deutschland über die vergangenen 120 Jahre die jährlichen Niederschläge deutlich zugenommen, ein Zusammenhang hiesiger Dürrephasen mit der globalen Erwärmung bedürfte also umso mehr einer Begründung von Klimatologen, die bislang aber aussteht.

Von größerer Tragweite als die Desinformation des ZDF erscheint der Umgang der Vereinten Nationen mit dem Klima der Vergangenheit, der Paläoklimatologie. Nach Informationen von WELT will der UN-Klimarat IPCC in seinem nächsten Sachstandsbericht, der in einem Jahr erscheinen soll, der Paläoklimatologie erstmals kein eigenes Kapitel mehr einräumen. Der IPCC-Report stellt alle paar Jahre das Wissen zum Klima zusammen.

Vor allem der Blick in die Zukunft gilt dem Auftraggeber des Berichts als relevant, den Vereinten Nationen. Doch der Schlüssel zum Verständnis der Zukunft liegt in der Vergangenheit – erst wenn die Klimaschwankungen früherer Zeiten einigermaßen verstanden sind, erscheinen Prognosen fundiert. Die Kenntnisse natürlicher Variationen ermöglichten es Wissenschaftlern bereits, das menschengemachte Signal im Klimawandel mit guter Sicherheit zu identifizieren.

Zwar werde es kein eigenständiges Kapitel für die Paläoklimatologie mehr geben, bestätigte der UN-Klimarat auf Anfrage von WELT. Gleichwohl würden Ergebnisse des Fachbereichs in andere Kapitel eingegliedert. Zur Co-Leiterin eines jener Kapitel wäre die renommierte Paläoklimatologin Valérie Masson-Delmotte ernannt worden. Klimavariationen der Vergangenheit werden indes nur als untergeordneter Punkt unter vielen in jenem Kapitel abgehandelt.

UN-Klimarat interessiert das Klima der Vergangenheit nicht

Die Wissensbasis der Klimaforschung scheint dem UN-Klimarat nicht mehr wichtig. Fast wirkt es, als würde sich die Klimakunde ihre Wurzeln abschneiden. Selbst außerhalb der Klimaforschung dürfte die Entscheidung des IPCC auf Verwunderung stoßen, meint Jan Esper. Schließlich seien „fundamentale Fragen über das Klima der Vergangenheit nicht geklärt“. Die Daten früherer Zeiten würden benötigt, um Unsicherheiten über künftige Szenarien zur globalen Erwärmung einzugrenzen. Das Wissen der Paläoklimatologie werde schnell dünner, je weiter man in die Vergangenheit blicke.

Der Schlag des UN-Klimarats gegen die Paläoklimatologie bringt die Klimaforschung in die Defensive. Seit seiner Gründung 1990 zerrten zwei Lager am UN-Klimabericht: politische Interessen und wissenschaftliches Ethos. Einerseits enthält der IPCC-Report zumeist saubere Dokumentation des Forschungsstands, andererseits sind Dutzende Fälle politisch motivierter Verzerrungen aktenkundig. Das Abkoppeln der Paläoklimatologie aus dem IPCC-Report könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Pendel beim Klimarat wieder in Richtung Politisierung ausgeschlagen ist – wird Grundlagenforschung geopfert für politisch nützlichere Klimamodellierungen?

Das Gezerre zwischen den Paläoforschern und ihren Kollegen, die Zukunftssimulationen erstellen, begleitete die Klimaforschung von Beginn an. Schon Mitte der Neunzigerjahre – die Klimakunde erlebte gerade ihren Aufstieg vom Orchideenfach – blickte die Paläofraktion misstrauisch auf die aufstrebenden Modellierer: „Vor fünf Jahren wollten die Klimamodellierer nichts mit uns zu tun haben“, sagte 1996 Keith Briffa, einer der angesehensten Experten auf dem Gebiet der Paläoklimatologie, der 2017 gestorben ist. „Aber nun merken sie, dass sie unsere Daten brauchen, um die Variabilität des Klimas zu verstehen.“

Für ihren dritten IPCC-Bericht 2001 diente die Paläoklimatologie dem Klimarat gar als politisch nützliches Aushängeschild: Der Report stellte eine neue Grafik an den Anfang, die in einzigartiger Eindeutigkeit den Einfluss des Menschen zu dokumentieren schien. Die sogenannte Hockeyschläger-Grafik zeigte die globale Temperatur der vergangenen tausend Jahre in der Form eines Hockeyschlägers: Rund 900 Jahre verlief die Kurve ziemlich gerade (Griff des Hockeyschlägers), erst nach der Industrialisierung stieg die Welttemperatur steil an (Fuß des Hockeyschlägers).

Zu der Grafik formulierte der IPCC den Satz: „Es ist wahrscheinlich, dass die 1990er-Jahre die wärmsten waren der vergangenen tausend Jahre und das Jahr 1998 das wärmste.“ Die erheblichen Unsicherheiten der Daten wurden übergangen. Noch schwerer wog, dass andere Rekonstruktionen der Klimavergangenheit andere Verläufe zeigten, sodass der Klimarat sich fragen lassen musste, warum er ausgerechnet jene Grafik anpries, die den menschengemachten Klimawandel so eindringlich zu zeigen schien.

Später kam heraus, dass Paläoklimatologen Ende der Neunzigerjahre versucht hatten, den Klimarat davon abzubringen, den Hockeyschläger herauszustellen. Keith Briffa warnte seine Kollegen in einer E-Mail 1999, anlässlich der Erstellung des UN-Klimaberichts: „Ich weiß, es gibt Druck, eine schöne, saubere Geschichte zu zeigen, nach dem Motto ‚offenbar einzigartige Erwärmung in tausend Jahren oder mehr in den Daten‘, aber in Wirklichkeit ist die Lage nicht so einfach.“

Aktuelle Erwärmung ist nicht herausragend

Er wies darauf hin, dass seine Studie zu anderen Ergebnissen gekommen war und fügte hinzu, dass er die aktuelle Erwärmung für nicht herausragend hielt: „Zur Erinnerung: Ich glaube, dass die derzeitige Erwärmung jener vor tausend Jahren ungefähr gleichwertig war.“ Zudem meinte er, dass die vergangenen tausend Jahre nur begrenzte Aussagekraft hätten: „Es gibt starke Beweise für starke Schwankungen in den vergangenen 12.000 Jahren, die Erklärung verlangen und die einen Teil der künftigen Hintergrundvariabilität des Klimas ausmachen könnten“, schrieb der Forscher an die Kollegenschaft. Zusammen mit einem Kollegen veröffentlichte er im Mai 1999 einen Artikel im bedeutenden Wissenschaftsmagazin „Science“, der diverse Zweifel am Hockeyschläger säte, doch der IPCC ignorierte die Bedenken.

Der Hockeyschläger hat sich seither als solide Arbeit erwiesen, aber nur als eine von vielen möglichen Rekonstruktionen des Temperaturverlaufs. Die prominente Vermarktung der Grafik im UN-Klimabericht erwies sich aus wissenschaftlicher Sicht als Fehler, der im nächsten IPCC-Report 2007 korrigiert wurde, in dem anderen Temperaturrekonstruktionen Raum gegeben wurde. Aus politischer Sicht war sie ein Erfolg: Der Hockeyschläger wurde zum beliebtesten und eindringlichsten Symbolbild der menschengemachten globalen Erwärmung, er lenkte Aufmerksamkeit auf das Menschheitsproblem Klimawandel.

Die aktuelle Abwendung des UN-Klimarats vom Klima der Vergangenheit könnte erneut der Politisierung geschuldet sein, denn mittlerweile sind es die Zukunftsszenarien, die das Risiko der globalen Erwärmung effektvoller demonstrieren als Grafiken vom Klima der Vergangenheit. Es sei denn, es wird bei den Grafiken unwissenschaftlich nachgeholfen – wie im „Heute Journal“. […]

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Dann ist da noch die Sache mit den Eisbären, die bis 2100 ausgestorben sein könnten. Lesen Sie dazu: Hier klicken

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Zur Temperatur im Jahr 1850:

Mehr: Hier klicken

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Artikel zum Sonntag, den 2.8.2020: Der Schrecken der absoluten Zahlen

Die Pandemie „Corona“ wurde/wird auf perfide Art und Weise …
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Artikel zum Sonntag, 28.6.2020: Corona – Ist der Tönnies-Ausbruch nur Schwindel, Panikmache, Unfug? JA!

Es ist Volksverdummung pur!

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Reden wir mal nicht von Infektionsketten, reden wir von 

Argumentationsketten:

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Artikel zum Sonntag, 21.6.2020: Corona-Lockdown & Folgen

Der Lockdown hat gewirkt und Leben gerettet. Doch weil Wachstum und Lebenserwartung eng zusammenhängen, hat der Stillstand massive Folgen. Eine ökonomische Analyse kommt zu dem Schluss, dass der Lockdown deutlich mehr Leben kostet, als bewahrt. …

Das Narrativ, dass der Lockdown Leben gerettet habe, weil weniger Menschen erkrankt seien, halte ich für weitgehend falsch. Die Zahl der aktiven Fälle war bereits rückläufig, als der Lockdown ausgerufen wurde. Dennoch ist der Artikel von Dorothea Siems wichtig, weil er die „gewonnenen Lebensjahre“ problematisiert. Rauchen z. B. müsste strikt verboten werden. Damit könnte jeder Ex-Raucher etliche Lebensjahre gewinnen. Warum macht man das nicht? Kein Lockdown wäre nötig. Warum schränkt man bei eine nachweislich für die allermeisten Menschen milden Erkrankung das Leben aller ein. Für ältere vor allem auch das letzte bisschen Lebensqualität, wenn Kinder und Enkel nicht zu Besuch kommen dürfen? Zumal die Großkopferten überhaupt keine belastbaren Erkenntnisse hatte, hat man einfach mal gemacht.

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Artikel zum Sonntag, 17.5.2020: Die Wege des Virus

 Seit die Anzahl der aktiven Corona-Fälle immer weiter sinkt, …
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Artikel zum Sonntag, 3.5.2020: Power-to-X

Das Zauberwort heißt “ grüner Wasserstoff“

Der Deutschlandfunk widmet dieser Form eines  tertiären Energieträgers ein halbstündiges Feature. Zur Herstellung von Wasserstoff ist der sekundäre Energieträger „Strom“ notwendig. 

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