4 Gedanken zu „Afghanistan – 20 Jahre Militäreinsatz zum Teufel“

  1. Im April war die amerikanische CIA noch der Ansicht, dass es viele Monate dauern würde, bis den Taliban ganz Afghanistan in die Hände fallen würde. Wie jetzt herauskommt (New York Times, Intelligence warned of military collapse, 17.8.21) warnte sie aber bereits letzten Monat davor, dass es ganz wesentlich schneller gehen könnte. Die waren immerhin lernfähig.
    Ich habe gestern schon meine Sicht der Ereignisse geschildert, auch auf den Artikel von Prof. Thomas Jäger im ‚Cicero‘ hingewiesen; nach Einschätzung von Experten war völlig klar, dass der korrupte afghanische Witz-Staat von Washingtons Gnaden beim ersten Lüftchen zusammenbrechen würde.

    Ich gebe zu, nicht alle Entscheider können sich ausreichend mit Afghanistan auskennen, um dies nachvollziehen zu können. Aber zwei Dinge sind unentschuldbar:
    Erstens, dass der BND noch vor wenigen Tagen, als die Taliban schon vor Kabul standen, optimistisch war, sie würden die Stadt nicht einnehmen.
    Zweitens:
    Dass vernunftbegabte Menschen (das SOLLTEN Politiker doch sein!) in zwei Wochen, in denen ein Gegner Stadt um Stadt, Region um Region, fast ohne Gegenwehr und in immer schnellerem Tempo einnimmt, sich keine entsprechende Dynamik entwickelt.

    Warum laufen Soldaten in einem Gefecht, einer Schlacht, davon? Wenn sie das Gefühl haben, die Sache ist verloren. Wie sollten denn die Kräfte, die Kabul verteidigen sollten, das Gefühl haben, sie könnten etwas ausrichten, gar siegreich sein, wenn die Taliban blitzkriegartig durch ganz Afghanistan fegen und niemand hält sie auf?
    DAS IST DER STOFF, AUS DEM KAPITULATIONEN GEMACHT WERDEN !

    Wer das nicht kapiert, hat nicht ein Problem mit mangelnden Fachkenntnissen hinsichtlich Afghanistans. Er hat ein Intelligenzproblem.

  2. Die Machtübernahme der Taliban haben die USA eingefädelt!

    Angela Merkel – wer auch immer – sie lügen alle. Die Vertreter waren alle in Doha, die Amerikaner, Russen, Chinesen, Deutsche, Saudi-Araber, Pakistani, Iraner und Türken. Sie wussten um den Vormarsch der Taliban, es war verabredet. Alle Großmächte und regionalen Mächte waren dort. Sie haben das alle gemeinsam entschieden. Anschließend erklären sie alle, einschließlich der Amerikaner, sie hätten damit nichts zu tun, dass die Taliban nach Afghanistan gegangen sind. Aber sie haben dort mit der Führung der Taliban verhandelt.

    https://reitschuster.de/post/die-machtuebernahme-der-taliban-haben-die-usa-eingefaedelt/

    1. Ja NATÜRLICH haben die die „Rückkehr“ der Taliban gemeinsam entschieden (gemeint ist die Rückkehr der Führung, die Taliban-Kämpfer waren ja nie weg aus Afghanistan, sonst hätte es ja keine Kämpfe gegeben).
      Ich verstehe nur nicht ganz, wo die „Lüge“ sein soll. Das wäre die offenste Lüge, die ich je gesehen habe. Eine, die ganz klar in einem offiziellen Dokument steht.

      Nämlich auf der Webseite des US State Department, „Agreement for Bringing Peace to Afghanistan between the Islamic Emirate of Afghanistan which is not recognized by the United States as a state and is known as the Taliban and the United States of America“. 29 February 2020.
      Zudem stand das in allen guten Zeitungen.

      Es wurde dort ganz offen verabredet, dass es zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung Verhandlungen geben solle (steht in Punkt 3 des erwähnten Dokuments, ist im Internet lesbar). Natürlich mit dem Ziel einer Vereinbarung, die Macht irgendwie zu teilen, zu einem ‚modus vivendi‘ zu kommen. MITTELFRISTIG rechnete JEDER mit einer Machtübernahme der Taliban.

      Wie genau, das scheint den USA, jedenfalls wenn man nach diesem Dokument geht, ziemlich egal gewesen zu sein; die USA wollten mit den Verhandlungen nur eines sichern: ihre eigenen Interessen. Das geht daraus glasklar hervor. Punkt 1 des Dokuments legt fest, dass afghanisches Territorium nicht – von niemandem – für Angriffe auf die USA genutzt werden darf. Das zielt ganz klar auf Al-Qaida ab, mit denen die Taliban-Gruppe des Hakkani-Netzwerks verbandelt sind.

      DAS war Ziel der USA, den Terror gegen sich langfristig zu unterbinden. Ob die Taliban sich daran halten, ist eine andere Frage. Und die Interessen der afghanischen Regierung sind in dem Dokument überhaupt kein Thema. Offiziell verhandelte die ja sowieso nicht mit.

      Was die USA NICHT ahnten (jedenfalls bis etwa zum Beginn des Juli 2021, als die CIA begann, Alarm zu schlagen – vorher waren die sich sicher, dass sich die Regierung noch 12 bis 18 Monate halten kann), und was auch mit den Doha-Verhandlungen nichts zu tun hat, ist der schnelle Zusammenbruch des Ghani-Regimes.
      Wie übereinstimmend verlautet, hat Biden bei den Warnungen von Geheimdiensten und Pentagon die Ohren „auf Durchzug geschaltet“. Er wollte nichts davon hören.

      Der Biden-Regierung ist ziemlich wurscht, wer in Afghanistan regiert – Hauptsache, die USA werden nicht terroristisch angegriffen. Und bislang versprechen die Taliban ja auch, dass sie ab jetzt ganz brave, liebe Jungs sein werden. Bei den Doha-Verhandlungen haben sie sogar mit weiblichen Delegationsmitgliedern anderer Staaten gesprochen. – Warten wir mal ab.

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