Außenexperte Hardt: Sehr gutes Interview im Dlf in Sachen …

… Erdogan und seine Drohung, Diplomaten auszuweisen
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Ein Gedanke zu „Außenexperte Hardt: Sehr gutes Interview im Dlf in Sachen …“

  1. Erdogan ist offenbar zu dämlich, sich läppische zwei oder drei Grafiken anzusehen. Nämlich einerseits den Langfristchart der türkischen Handelsbilanz (auf Statista) und den der türkischen Lira zum Euro (z.B. auf ‚finanzen.net‘ – zum US-Dollar wäre es dasselbe in grün).
    Da hätte er eine Chance, zwei ganz einfache Tatsachen in seine offenbar unterbelichtete Rübe zu kriegen: Die Handelsbilanz der Türkei ist seit Jahren grottenschlecht. Das Defizit schwankt so in etwa grob zwischen Minus 105 Milliarden Dollar und Minus 30 Milliarden; die letzte Zahl betrug – 50.
    Und parallel dazu fiel der Kurs der türkischen Lira ins Bodenlose, u.a. weil Erdogan, nun sagen wir mal, eine sehr merkwürdige Auffassung vom Handwerkszeug einer Zentralbank hat.
    Musste man 2016 noch weniger als 4 Lira für einen Euro bezahlen, waren es zuletzt nahezu 12.
    Im Verhältnis dazu hat sich das Handelsdefizit kaum gebessert.
    Das heisst aber: Die Türkei ist auf Importe ANGEWIESEN, und sie muss IMMER MEHR DAFÜR BEZAHLEN. Zugleich gehen die Währungsreserven zurück.
    „Auf der Finanzierungsseite der Aussenwirtschaft zeigt die Türkei erneut ihre Schwachstelle: die Abhängigkeit vom Auslandskapital. Denn das nachfragegestützte Wirtschaftswachstum mit seinem hohen Leistungsbilanzdefizit benötigt einen steten Zustrom von Investitionen oder Krediten aus dem Ausland. Die ausländischen Direktinvestitionen verloren 2020 an Bedeutung, sie sanken nach Berechnungen der UNCTAD [United Nations Conference on Trade, Agriculture, and Development] um 19%…“ (‚Export Manager‘, 10.2.21, „Türkei erkauft Wachstum mit Inflation“).
    – Das ist wie die Titanic, bei der das Steuerruder festgefroren ist und deren Kurs schnurstracks auf einen Eisberg zuläuft. Der Mann gräbt sich sein eigenes wirtschaftliches und politisches Grab, ohne es offenbar zu merken. Denn irgendwann wird die Inflation (siehe dazu ebenfalls Statista), die zwischen September 2019 und Sept. 2021 von knapp 10% auf fast 20% gestiegen ist (wobei die Lebensmittelpreise besonders besorgniserregend stiegen) sein politisches Kapital bei den Wählern aufbrauchen.

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