Intensivbetten: Das ist doch Scharlatanerie, oder?

Intensivmediziner Jannssens verarscht Hörer des Dlf am 17.3.2021 hemmungslos.

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Meine Berechnung ergibt, dass in den letzten Wochen insgesamt 1.374 Intensivbetten als Kinder-Intensivbetten weg-gewidmet wurden. Das ist knapp die Hälfte des Rückgangs der Coronakranken. Um annähernd die gleiche Anzahl Zahl hat die Belegung mit Nichtcoronakranken zugenommen. Das lässt vermuten, dass Operationen und Aufnahmen Schwerkranker im Januar verschoben wurden, obwohl mehr Intensivbetten frei waren als heute am 17.3.2021.

Prof. Janssens Rede ist entweder gehaltloses Lobbyistengeschwätz, oder er hat keine Ahnung von simpelsten Sachverhalten, oder aber er führt die Hörer inkl. Moderator absichtlich aus Gründen der gewollten Angsterzeugung hinters Licht. Wahrscheinlich ist es eine üble Mischung aus allen drei Faktoren.

 

3 Gedanken zu „Intensivbetten: Das ist doch Scharlatanerie, oder?“

  1. Wie mir ein Krankenhausarzt einmal erklärt hat, ist die Belegung von Intensivbetten ohnehin kein klarer Indikator. Denn leere Krankenhausbetten verursachen Kosten. Sehr hohe Kosten! Das ist wie in jeder Industrie – eine nicht genutzte Maschine, die man angeschafft hat, amortisiert sich nicht, also gehen die Kosten für sie in die Verlustrechnung.
    Also belegt man die Betten, wenn es irgendwie geht. Wenn die Corona-Patienten die Intensivbetten nicht brauchen, dann verlegt man andere Patienten dorthin, wenn es irgendwie sachlich auch nur halbwegs zu rechtfertigen ist – Krankenhäuser sollen sich ja rentieren.
    Es ist ähnlich wie mit dem Personal oder den OPs. Wenn pro Jahr nicht eine bestimmte Mindestzahl an teuren Operationen durchgeführt wird (etwa Hüft-OPs), dann kriegt die Spitalverwaltung ganz schlechte Laune.

  2. Der gute Mann erwähnt die höhere Gefahr durch die britische Mutante, die ja angeblich viel mehr schwerere Verläufe und Todesfälle nach sich zieht. Schauen wir uns das doch mal genauer an:
    Anfang Februar lag der Anteil der Britenmutante B.1.1.7 bei uns bei rund 5%.
    Dann stieg er sprunghaft an und ist jetzt schon in Deutschland für die satte Mehrzahl der Coronafälle verantwortlich. Dasselbe gilt für Italien, Frankreich etwa zwei Drittel. Einen noch grösseren Anteil als in Deutschland nehmen die Mutationen in Österreich ein, in der Schweiz sind es gegenwärtig sogar 80%.

    So. Und nun betrachten wir uns mal die Entwicklung der Sterbezahlen wg. Corona in dem Zeitraum, in dem sich die Killer-Variante so intensiv ausgebreitet hat (wobei man immer im Auge behalten muss, dass von der Infektion bis zum schweren Verlauf einige Tage vergehen, man kann rechnen, ein bis zwei Wochen, aber wie gesagt, die Variante breitet sich mindestens seit Anfang Februar bei uns aus):

    Grossbritannien selbst (hier trat die Variante natürlich als erstes auf), Todesfälle Corona, von Anfang Februar bis Gegenwart:
    Von rund 1300 täglich auf jetzt etwa 140.
    Deutschland, gleicher Zeitraum:
    Von etwa 900 täglich bis auf einen Wert irgendwo um die 250 (letzte drei Tage geglättet).
    Frankreich:
    Von 700 (und mehr) bis jetzt circa 400.
    Österreich:
    Von 57 auf Werte um die 30.
    Schweiz (besonders hoher Mutantenanteil):
    Von etwas über 40 bis jetzt 16.
    Italien:
    Von etwa 500 täglich bis jetzt um die 430.

    Und nun ein kleines Schlaglicht auf die Hospitalisierungen wg. Corona:
    Frankreich:
    Anfang Februar knapp 28.000 Coronakranke im Krankenhaus, am 7. März (letztes mir zugängliches zuverlässiges Datum laut ‚Our World in Data‘) waren es noch 24.600.
    Österreich:
    Von 1433 auf 1155.
    Grossbritannien:
    Von 33.000 auf 7200.
    Deutschland (hier: wöchentlich geglättete Zahlen!):
    Von 4164 in der ersten Feb.-Woche auf 1406 in der ersten Märzwoche.
    Nur in Italien lässt sich in diesem Zeitraum ein Anstieg feststellen,
    von 22.500 auf 27.600.

    Das ist also die tödliche, menschenfressende Killer-Mutation.
    Wieso ist der gute Professor im Interview imstande, so einen gequirlten Mist zu verzapfen?
    Wahrscheinlich beruft er sich auf die durch die Presse gegangene Studie der Universität Exeter, die angeblich eine sehr viel höhere Mortalität bei der Briten-Mutante festgestellt hat.

    Leider ist es bei wissenschaftlichen Arbeiten nicht immer ausreichend, Zeitungsartikel dazu zu lesen, oder nur das ‚Abstract‘ zu Beginn der Studie. Hätte dieser tolle Professor die Studie ganz gelesen, und am besten auch noch die Kritik des NERVTAG (des obersten britischen Expertengremiums zu Corona), dann wüsste er, dass dieses Gremium kritisiert, dass die Exeter-Studie (und noch einige andere, unveröffentlichte Studien ebenfalls) Datensätze benutzen, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht repräsentativ sind – eine Todsünde für Statistiker.
    Es ergibt sich jedenfalls das Problem, dass NUR solche Daten, die per Test in der breiten Bevölkerung gemacht wurden, eine höhere Sterblichkeit für die Mutation aufweisen. Wenn Personen im Krankenhaus auf Corona getestet wurden, ergab sich KEINERLEI höhere Sterblichkeit.
    Das müsste der famose Professor eigentlich wissen.

    Aber entweder er ist zu bequem, die Fachliteratur mit kritischem Blick zu lesen, oder er ist ein wissenschaftlicher Versager, oder er verarscht uns.

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